Würzburg

Amtsgericht Echter Graf mit 15 Vorstrafen erneut verurteilt

Gefrorene Hühnerteile in der Jackentasche

Archivartikel

Würzburg.Tiefgefrorene Hühnerteile hatte ein Kunde in seiner linken Jackentasche „gelagert“, als ihn der Detektiv eines Supermarkts nach einer Flucht von 150 Metern stellte.

Sechs Monate Haft

Bei dem Dieb handelte es sich um einen echten Grafen (44 Jahre) mit 15 Vorstrafen, der in Würzburg schon wiederholt als Ladendieb vor Gericht stand: Einmal wegen Leberkäse zum Selberbacken, Rippchen ohne Knochen und Paprika-Beißer, in einem anderen Fall wegen Schinken-Eisbein und Gulasch in der Dose. 5,67 Euro hätten die panierten Hühner-Happen gekostet, dafür muss der Graf jetzt erneut für sechs Monate hinter Gitter.

Bewährung gab es keine – wegen „der rasanten Rückfallgeschwindigkeit“, sagte der Richter.

Unter Führungsaufsicht

Zur Tatzeit stand der Graf, durch Adoption Mitglied einer renommierten internationalen Adelsfamilie geworden, unter Führungsaufsicht, nach Verbüßen einer Freiheitsstrafe von knapp vier Jahren wegen Kreditbetrug.

Er könne sich an nichts erinnern, sagte sein Anwalt für ihn, Trennungsschmerz sei der Grund dafür gewesen, dass er erheblich unter Strom stand, mit über zwei Promille. Inzwischen habe der Graf den Alkoholkonsum eingestellt.

„Bekannte“ Aussage

Die Aussage komme ihm, sagte Richter Christian Eisert, aus früheren Verhandlungen bekannt vor. Als Beruf gab der Graf Unternehmensberater im Bereich Weinbau und Sektherstellung an, seine Bewährungshelferin hielt allerdings Vorsicht für angebracht. Sie habe den Grafen schon wiederholt in der Obdachlosenszene gesehen, mit Plastiktüten und Flaschen drinnen. Das „Auf Wiedersehen“ am Ende der Verhandlung war ernst-gemeint: Demnächst wird wegen Miet-Betrugs verhandelt, und es gibt noch einige „offene Baustellen“ bei Gericht.