Würzburg

Interkommunales Wirtschaftstreffen Landkreise Main-Tauber und Würzburg arbeiten produktiv zusammen

Gründer müssen für ihre Idee brennen

Giebelstadt/Main-Tauber-Kreis.Zwei Landkreise, zwei Nachbarn, zwei Grenzen. Die Landkreise Würzburg und Main-Tauber haben vieles gemeinsam. Regionen rücken zusammen. Doch viele Hürden sind noch zu nehmen, wenn es darum geht, Landkreis- und länderübergreifende Kooperationen ein zu gehen.

"Die Grenzen der beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg sind bei Kooperationen oft kaum zu überwinden", erläutert Michael Dröse, Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung am Landratsamt Würzburg, beim zweiten interkommunalen Wirtschaftstreffen der Landkreise Würzburg und Main-Tauber, das diesmal im Kartoffelkeller Giebelstadt stattfand.

Vernetzung der Kammern

Denn, so Dröse, die Landkreis- und Landesgrenzen stellten bei den kommunalrechtlichen und landesrechtlichen Vorgaben eine besondere Herausforderung dar. "Bei der Weiterentwicklung des Wirtschaftsraumes Main-Tauber und Region Würzburg werden wir anregen, durch eine Vernetzung der Industrie- und Handelskammern (IHK) und der Handwerkskammern (HWK) die jeweiligen Stärken zu nutzen und Doppelstrukturen zu vermeiden", erläutert er. Ein Anfang sei bereits gemacht, der müsse nun mit einem Thesenpapier strukturiert werden.

Um länder- und landkreisübergreifende Zusammenarbeit und Chancen bei der Gründung eines Unternehmens ging es auch beim letzten Regionaltreffen der beiden Landkreise in Giebelstadt. Landrat Eberhard Nuß begrüßte dazu zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Bildung und Gründerszene sowie Schüler aus Tauberbischofsheim.

Sehr gute Erfahrungen

Die beiden Landkreise hätten bereits mit den bisherigen Vernetzungen im Tourismus und in der interkommunalen Zusammenarbeit sehr gute Erfahrungen gemacht. "Es wächst zusammen, was zusammen gehört", sagte Nuß.

Nun heiße das gemeinsame Ziel: Jungen Menschen mit guten Ideen und dem Mut, diese auch umzusetzen, einen Wirkungsraum anzubieten in der Region Würzburg-Main-Tauber.

Dass sich das Zusammenwirken der beiden Landkreise sich sehr positiv auf die gesamte Region auswirke, bestätigte auch Nuß´ Amtskollege Reinhard Frank, Landrat des Main-Tauber-Kreises. "Wir haben viele Gemeinsamkeiten und viele gemeinsame Herausforderungen, unter anderem die demographische Entwicklung, den Fachkräftemangel und die Digitalisierung", meinte er.

Große gemeinsame Aufgabe

In Zukunft Fachkräfte zu gewinnen und Arbeitsplätze zu sichern, sei die große gemeinsame Aufgabe der beiden Landkreise. Gerade in der Gründerszene stehe man vor großen Herausforderungen, denn die Zahl der Existenzgründer geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Doch die Gründer seien der "Joker im Standort-Poker", weil sie Arbeitsplätze schaffen, meinte Frank.

Wie ein Existenzgründer zum erfolgreichen Unternehmer wird, schildert Andreas Kreissl, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Ceracon aus Weikersheim. Im Jahr 2000 wurde das Maschinenbau-Unternehmen gegründet. Heute beschäftigt es rund 200 Mitarbeiter. Sein Credo: "Wer ideenlos ist, hat keine Chance. Wer aber eine Riesenidee hat, für den gibt es Mittel und Wege, sich auch ohne eigenes Kapital selbständig zu machen."

Und noch etwas: "Gründe niemals, um reich zu werden", sagt Kreissl. Man könne als Unternehmer sicher gutes Geld verdienen, habe aber auch ein großes Risiko. Die Intention sei nicht, reich zu werden, sondern etwas zu bewegen, zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. "Es ist wie ein Baby, etwas, in dem man aufgeht. Seit ich Unternehmer bin, arbeite ich nicht mehr, sondern bin 24 Stunden an 365 Tagen immer mit diesem Unternehmen verbunden", meint er. Es sei keine Arbeit, sondern Leidenschaft, die man spüren und leben müsse. Sein Appell: "Wenn ihr gründen wollt, muss ein Feuer in euch brennen, sonst lasst die Finger weg."