Würzburg

Nachruf Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele ist am Freitag im Alter von 91 Jahren gestorben / Die Diözese Würzburg nachhaltig geprägt

„Helfen, wo immer wir helfen können“

Würzburg.Bischof zu sein, das war für ihn nicht irgendein Job. Es war für ihn eine Lebensaufgabe. Deswegen blieb der im westfälischen Olpe (Erzbistum Paderborn) Geborene auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 weiter in Würzburg. Würzburg war und blieb der Ort, an dem er seit 1979 wirkte, davon fast 24 Jahre als amtierender Diözesanbischof – länger als viele seiner 86 Vorgänger auf dem Stuhl des heiligen Burkard. Am Abend des 10. Mai ist Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele im Alter von 91 Jahren in Würzburg gestorben.

„Ich versuche, den einzelnen Menschen ernst zu nehmen, so wie er ist“, sagte er. Seinen bischöflichen Wahlspruch „Friede und Freude“ setzte er um, auch wenn es um ganz konkrete, tagesaktuelle Fragen ging. In den 24 Jahren seiner Amtszeit als Bischof von Würzburg durchlief die Diözese zahlreiche Veränderungen. Doch Bischof Scheele klagte nicht, stattdessen stärkte er das Gute.

In der Seelsorge nahm die Zahl der Priester ab – Bischof Scheele förderte das Engagement der Laien. Als er 2003 emeritiert wurde, war die Zahl der hauptamtlichen Seelsorger trotz Priestermangel höher als zu Beginn seiner Amtszeit.

Priester, Diakone, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten sorgten gemeinsam in den damals knapp 880 Pfarreien, Kuratien und Filialen mit, dass das Wort Gottes weitergegeben wurde.

Das Miteinander der verschiedenen Dienste in der Pastoral war in der Amtszeit Bischof Scheeles selbstverständlich geworden – vereint unter dem Dach der „Kooperativen Pastoral“.

Jeder war eingeladen, aktiv seinen Teil zum Leben der Pfarrgemeinde beizutragen. Eine „ganze Heerschar“, wie Bischof Scheele sagte, habe dieses Konzept umgesetzt, um das man von 1993 bis 1996 rang. „Wir sind Kirche – Wege suchen im Gespräch“ lautete der von Bischof Scheele zu diesem Zweck initiierte Dialogprozess im Bistum Würzburg.

Zur Pastoral gehörten für ihn immer aber auch die karitativen und sozialen Dienste. Nie wurde Bischof Scheele müde zu betonen, dass diese noch stärker beachtet werden müssen. Zahlreiche Projekte entstanden in Bischof Scheeles Amtszeit und wurden von ihm eingeweiht.

Die Krankenwallfahrt in der Kilianiwallfahrtswoche, gestand er einmal, war für ihn einer der bewegendsten Gottesdienste, den er jedes Jahr feiern durfte. Den Kranken und Notleidenden wende sich Christus bevorzugt zu, und ihnen gelte sein Verständnis, betonte der Bischof. „Wir sind gut beraten, wenn wir uns an die Armen halten, wenn wir die Freundschaft der Freunde Jesu suchen, wenn wir helfen, wo immer wir helfen können.“

Sorge um Einheit aller Christen

Der Blick des Bischofs reichte aber über die Diözese Würzburg hinaus: Die Sorge um die Einheit aller Christen, der Kontakt und Dialog mit den anderen Konfessionen und Religionen waren ihm selbstverständlich. Papst Johannes Paul II. schätzte ihn besonders wegen seiner jahrzehntelangen ökumenischen Erfahrungen und seiner daraus resultierenden realistischen, aber doch hoffnungsvollen Sicht des Wegs hin zur Einheit der Christen. 1976 wurde Bischof Scheele Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, ab 1984 wirkte er im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Weit über seine Amtszeit als Bischof von Würzburg hinaus war Bischof Scheele auf Wunsch von Papst Benedikt XVI. bis 2008 Mitglied im Einheitsrat. „Bei ökumenischen Aufgaben gibt es kein Verfallsdatum“, betonte Bischof Scheele. Zudem engagierte er sich in der Päpstlichen Gesprächsgruppe, die den Dialog mit den Altorientalen führt. Engen Kontakt hielt Bischof Scheele zu den zahlreichen Missionsgemeinschaften im Bistum und den in seiner Amtszeit rund 200 aus dem Bistum stammenden Missionaren und Missionsschwestern in aller Welt. Drei besondere Höhepunkte fielen in die Amtszeit des Bischofs: 1989 die 1300-Jahr-Feier des Martyriums der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan, 1992 das 1250. Jubiläum der Bistumsgründung und schließlich 2000 das Heilige Jahr.

Bischof Scheele blickte bei allen Jubiläen nicht nur zurück, sondern erschloss beispielsweise die 1300 Jahre alte Spiritualität der Frankenapostel für die Menschen von heute. Tiefere Wurzeln sollte die Verehrung dieser Heiligen entwickeln, damit Kiliani mehr ist als nur Volksfest.

Das Zeugnis der Bistumsheiligen – seien es Kilian und Gefährten, Burkard, Thekla und Lioba, Adalbero und Bruno oder der selige Liborius Wagner – konnte Bischof Scheele nicht oft genug hervorheben.

Anstecken lassen sollten sich die Gläubigen vom Feuer, das in diesen Menschen gebrannt hat.

Besondere Initiativen von Bischof Scheele waren der 1984 gegründete Solidaritätsfonds Arbeitslose und die 1999 errichtete Stiftung „Miteinander für das Leben“.

Rund 4350 Menschen in Unterfranken wurde und wird bis heute mit Hilfe des Solidaritätsfonds der Broterwerb gesichert, Schwangere und Mütter in Not erhalten von „Miteinander für das Leben“ Hilfe bei ganz alltäglichen Problemen. Die Liste der von ihm geschriebenen theologischen Bücher ist lang. „Von der Leitung des Bistums entbunden, hat man mehr Möglichkeiten, schriftlich weiterzugeben, was einem wichtig ist. Es entfallen etliche Verpflichtungen, für die man nicht die Bischofsweihe empfängt, denen man aber gerecht werden soll“, erklärte er vor wenigen Jahren. Zudem bewahrte er sich seinen Humor. Seine Leidenschaft für Klavierspiel und Fußball erhielt er sich bis zuletzt.

Worte wie ein Vermächtnis

Die Worte, die er bei seiner Verabschiedung als Bischof von Würzburg im Würzburger Kiliansdom am 13. Juli 2003 sprach, klingen heute wie sein Vermächtnis: „Bischöfe kommen und gehen, Jesus Christus bleibt. Halten wir uns an ihn, halten wir zu ihm, was immer auch kommt. Setzen wir uns mit ihm für das Reich Gottes ein, helfen wir mit ihm, wo immer wir helfen können. Tun wir mit ihm, was eint; tun wir es in allen Bereichen unseres Lebens: in den Familien, den Pfarrgemeinden und Dekanaten, in unserer Diözese, in der weltweiten Kirche und in der gesamten Ökumene.“ pow