Würzburg

Mord an gebürtiger Weikersheimerin Geliebte des 40 Jahre alten Angeklagten sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Lübeck aus

Kontakt über die Stieftochter

Archivartikel

Der Prozess gegen einen 40-jährigen Wulfsdorfer ist am Mittwoch fortgeführt worden. Er soll seine Frau in der Nacht zum 27. Dezember 2017 getötet und im Garten vergraben haben.

Lübeck/Igersheim/Weikersheim. Im Mordprozess gegen den Mann aus Wulfsdorf haben am zweiten Verhandlungstag unter anderem zwei Arbeitskolleginnen der Getöteten, die aus Weikersheim stammt und mehrere Jahre in Igersheim-Neuses mit Ihrer Familie gelebt hatte (wir berichteten), und die Geliebte des Angeklagten ausgesagt.

Eine Arbeitskollegin habe den Eindruck gehabt, dass die Ehefrau nicht glücklich in der Beziehung gewesen sei.

Zuverlässige Person

Die zweite Arbeitskollegin beschrieb sie als eine zuverlässige Person, die gutmütig gewesen sei und nichts hinterfragt habe.

Außerdem habe sie sich gern mitgeteilt. Deshalb kam es der Zeugin direkt komisch vor, als die Ehefrau des Angeklagten am 27. Dezember 2017 nicht zur Arbeit erschien und der Angeklagte auf Anfrage am Telefon mitteilte, dass die Getötete ihre Tasche gepackt habe und weggefahren sei.

„Ich wusste gleich, dass etwas nicht stimmt. Das passte nicht zu ihr. Sie musste sich immer mitteilen, das war eine typische Eigenschaft von ihr“, sagte die Hotelfachfrau aus einem Niendorfer Hotel unter Tränen.

Dass die Ehefrau des Angeklagten am 27. Dezember 2017 das Haus verlassen habe, um in der Schweiz zu arbeiten, teilte der Ehemann an diesem Morgen auch seiner Affäre per WhatsApp mit.

„Kurz nach 17 Uhr bin ich dann zu ihm gefahren“ erklärte die 31-Jährige dem Richter Christian Singelmann. Mitte Dezember sei man durch die Feuerwehr in Kontakt gekommen, erzählt die 31-Jährige. Es habe sehr gekriselt in der eigenen Ehe. Man hätte gut mit ihm reden können.

„Ich habe mich zu ihm hingezogen gefühlt. Man konnte mit ihm besser leben als mit meinem Mann“, sagte sie.

Heimlich getroffen

Seit Mitte Dezember traf man sich heimlich, über die 14-jährige Stieftochter hielten der Angeklagte und die 31-Jährige Kontakt.

Dass die Jugendliche aber weit mehr als nur die Kupplerin war, wurde an den 4000 Whatsapp-Nachrichten deutlich, die sie an den Angeklagten schrieb. Davon habe sie nichts gewusst, sagte ihre Stiefmutter vor Gericht, die zu dem Teenager keinen guten Kontakt hatte.

Die 14-Jährige sei es dann auch gewesen, die ihr wohl am Morgen des 27. Dezember letzten Jahres mitgeteilt habe, dass die Ehefrau des Ostholsteiners in die Schweiz zum Arbeiten gegangen sei. „Das war komplett glaubwürdig“, sagte die 31-Jährige. An die Mitteilungen auf ihrem Handy erinnerte sie sich nicht mehr erinnern. Auch an ein Telefonat mit ihrer Affäre, in dem der Angeklagte ihr erzählte, dass seine Ehefrau in die Schweiz gegangen sei, könne sie sich nicht mehr erinnern.

Als sie zusammen mit ihrem Sohn in Wulfsdorf angekommen sei, sei alles normal gewesen. Die Nächte hätten sie im gemeinsamen Ehebett verbracht. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat . . . so schnell . . . keine Ahnung“, sagte sie in Bezug auf den Einzug nur einen Tag, nachdem sie ihrem Ehemann gebeichtet hatte, dass sie mit dem Angeklagten zusammen sei.

„Gab es ein Verliebtsein?“, fragte Singelmann nach dem Zusammenleben im Haus des Wulfsdorfers in den folgenden Tagen. Es sei wie immer gewesen, antwortete sie kurz angebunden. Für sie sei die Beziehung aber nicht zu 100 Prozent etwas Festes gewesen. Von ihm wäre es mehr gewesen. Inzwischen sei sie wieder mit ihrem Ehemann zusammen. Eckard Gehm