Würzburg

Justizvollzugsanstalt Zeugnis-Tag im Würzburger Knast / Kompromiss: Foto von den Prüflingen nur von hinten / Beruf als Chance

Lagerlogistiker mit lauter „Einsern“

Würzburg.Kleine Feier im Knast, Beamten-Kantine, Begegnung von Bewachern und Bewachten am Kuchenbüfett, man reicht sich am Tisch Kaffeekanne und Milch. Der Anlass: Zeugnisse gab es für 22 Leute, die zum Teil seit langer Zeit oder überhaupt zum ersten Mal in ihrem Leben etwas angepackt, erfolgreich durchgezogen und jetzt Anlass haben, trotz der blauen Anstaltsklamotten, auf sich mal richtig stolz zu sein.

Chance für Neubeginn

Die beliebte Stammtisch-These, dass die im Knast doch nur noch „dazu lernen, was sie bis dahin noch nicht wussten“, ist inhaltlich bestätigt worden, allerdings in eine andere, positive Richtung. Nie zuvor waren es, so der Leitende Regierungsdirektor Robert Hutter, Knast-Chef in Würzburg, so viele „auf einmal“, ein Hinweis darauf, dass derzeit viel läuft im Bereich der beruflichen Ausbildung hinter Gitter als Chance für den Neubeginn danach.

Dass es nicht die übliche Zeugnis-Feier wie so viele vorher draußen war, sah man schon daran, dass die Presse, „wenn schon“, dann zum Schutz der Betroffenen, nicht von vorn fotografieren durfte. Die Gäste aus dem Bereich der beruflichen Bildung hätten nichts dagegen gehabt, und mancher der erfolgreichen Prüfungsteilnehmer auch nicht, aber, sagte ein Betroffener, dann hätte halt mancher, der es bis dahin noch nicht wusste, erfahren, dass der oder die „sitzt“.

Und was ist aus den 22 Frauen und Männern während der Strafverbüßung in der Würzburger Justizvollzugsanstalt beruflich geworden? Fachkräfte für Lagerlogistik und Fachlageristen, Gebäudereiniger und zum ersten Mal am Zeugnis-Tag dabei, Textilreinigerinnen. Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik, Maler und Lackierer, Bauten- und „Objektbeschichter“ haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen oder auf dem Weg dorthin einen weiteren Qualifizierungs-„Baustein“ „geschafft“.

Auf die Frage, ob eines der 22 Zeugnisse besonders bemerkenswert ist, sagt der für die berufliche Aus- und Weiterbildung zuständige Studienrat Theo Hartlieb: „Das sind eigentlich alle“, und die Leistungen und Noten seien im Vergleich mit den Prüfungen „draußen“ überdurchschnittlich gut.

Sehr gute Leistungen

Er greift dann doch die beiden Gebäudereiniger heraus, die im praktischen Teil fast 100 Punkte haben (sehr gut), und ein Gefangener aus dem Bereich Lagerlogistik habe im Zeugnis „nur Einser“.

Einem Gefangenen konnte sein Spitzen-Zeugnis nicht überreicht werden: Zufällig wurde er am Tag vorher aus der Justizvollzugsanstalt entlassen, und die guten Noten waren für ihn kein Anlass, deswegen einen Tag länger im Knast zu bleiben.

Es gibt besondere Probleme bei der Berufsausbildung hinter Gitter: Eine erfolgversprechende Voraussetzung ist, das klingt fast zynisch, eine nicht zu kurze Strafe.

Ein großes Problem sei die Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt kurz vor der Prüfung.

In der Euphorie, wieder frei zu sein, lasse mancher die Prüfung sausen – oder er vergesse einfach, sich anzumelden.

Mancher andere hat Glück, dass er eine draußen begonnene Lehre im Knast abschließen kann.