ILMA - Ich liebe Mannheim

Auto oder Fahrrad – Wer gewinnt im Mannheimer Stadtverkehr?

Archivartikel

Warum greifen diejenigen, die einen Pkw zur Verfügung haben, selbst im Stadtbereich lieber zum Auto, statt sich öfter mal aufs Fahrrad zu schwingen? Immerhin gewinnt das Rad in Zeiten der Umwelt-Diskussionen immer weiter an Popularität. Außerdem heißt es bekanntlich, dass Bewegung dem Menschen gut tut. Gerade Studenten können sich häufig kein Auto leisten, sind auf das Rad oder die Öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Wir, Jessica und Sebastian, haben den vergleichenden Test gemacht: zu den Hauptverkehrszeiten sind wir morgens vom Jungbusch zur Dualen Hochschule und am Abend wieder zurückgefahren – je nach Route zwischen sieben und neun Kilometer pro Strecke.

LKW blockieren Radwege

Mit dem Fahrrad: Eine acht Kilometer lange Strecke dauert für einen untrainierten Fahrradfahrer etwas weniger als eine halbe Stunde. Ohne Verschnaufpause und größere Hindernisse. Zu unserem Glück spielte das Wetter mit. Um halb 9 Uhr morgens scheint die Sonne bei etwas Wind freundlich auf unsere Häupter. Die Fahrradstrecke beginnt jedoch wenig viel versprechend: besonders im Hafenbereich blockieren mir, Jessica, immer wieder Lkw den Radweg, sodass ein Ausweichen auf die befahrene Straße unvermeidlich ist. Vom Musikpark bis zum Museumsschiff wechselt der Untergrund von unebenem Kopfsteinpflaster zu rutschigem Schotter zu stark beschädigtem Asphalt. Deshalb entscheide ich mich, zu Beginn den Luisenring zu fahren und erst nach dem Museumsschiff an das Ufer zu wechseln.

Nachdem ich den vor allem von Autos viel befahrenen Luisenring dann aber hinter mir gelassen und das Neckarufer erreicht habe, fahre ich auf einer völlig stressfreien Fahrradtour mit wunderbarem Ausblick. Der Fahrradweg ist größtenteils gut ausgebaut, breit, flach und ohne Straßenschäden. Der große Vorteil: Ich kann in meinem eigenen Tempo fahren, kann pausieren, auch mal absteigen. Keiner drängelt, hupt oder kommt an der Ampel nicht in die Gänge.

Abbremsen kostet Kraft

Als Fahrradfahrer muss ich am Ufer allerdings auf Fußgänger und vor allem Hunde achten. Bremse ich stark ab, kostet es mehr Kraft, das Tempo und den Rhythmus wieder aufzunehmen. Solange ich die gut angelegten Fahrradwege befahre, komme ich aber völlig stressfrei ans Ziel. Mit dem Fahrrad dauert es zwar länger als mit dem Auto, die positiven Punkte überwiegen für mich im Endeffekt dennoch.

Mit dem Auto: Derweil stürze ich, Sebastian, mich mit meinem Auto in den Berufsverkehr. Weil ich mich mit meiner Kollegin in der Jungbuschstraße getroffen habe, muss ich gleich zu Beginn einen kleinen Umweg fahren – Einbahnstraße. Also geht es erst durch die Hafenstraße Richtung Parkring. Auf diesem ist der Verkehr dicht – Stau gibt es aber nicht. Natürlich, ein, zwei rote Ampeln lassen mich immer wieder bremsen. Doch fahre ich erst einmal, rolle ich mit dem Verkehr mit.

Etwas mehr als neun Kilometer ist die laut Google Maps kürzeste Autostrecke. Wegen der Verkehrsführung navigiert mich das Programm alles andere als auf direkter Strecke zur Dualen Hochschule nach Neuhermsheim. Vorbei an der Rückseite des Schlosses fahre ich zunächst auf die B36. Weil ich weiß, dass an einer Stelle ein Blitzer steht, kann ich mich auf das klassische Autofahrer-Phänomen schon im Vorfeld einstellen: Bei festinstallierten Radarfallen wird gefühlt aus Prinzip mindestens zehn Kilometer pro Stunde unter der erlaubte Geschwindigkeit gefahren – okay, zugegeben: Ich mache das ja auch ab und zu.

Gefühlte Ewigkeit

Mit zunehmender Fahrtdauer bekomme ich das Gefühl, dass die kürzeste Route gar nicht so kurz ist. Zumindest ist es nicht annähernd die direkte Luftlinie, die ich befahre. Wo ich wohl mit dem Fahrrad jetzt wäre, denke ich mir, als ich Höhe Glückssteinquartier an einer Ampel halten muss. Über den weiteren Verlauf gelange ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich an den Flughafen. Wieder ein Blitzer, wieder wird abgebremst – ich biege ab auf die Will-Sohl-Straße. Straßenbahnen, Fußgänger und Fahrradfahrer sind nun wieder Teil des Geschehens als ich am Kreisel auf die Seckenheimer Landstraße abbiege. Ob ich einen Parkplatz finden werde, frage ich mich dem Ziel näherkommend. Tatsächlich habe ich Glück – direkt vor der Hochschule werde ich fündig.

Knappe zehn Minuten bin ich schneller als Jessica.

Rückszus fahren wir am Abend mit umgekehrten Rollen. Nun bin ich Radfahrer, Jessica fährt Auto. Unsere „Erlebnisse“ decken sich ungefähr – nur hat Jessica im Jungbusch im Feierabendverkehr deutlich größere Probleme, einen Parkplatz zu finden.

Derweil komme ich vollkommen ausgepumpt und erschöpft im Jungbusch an. Beide Fahrweisen haben ihre Vor- und natürlich auch Nachteile.

Unser Fazit: Das Fahrrad ist natürlich deutlich klimaschonender und bietet bei gutem Wetter die schönere Strecke.  Allerdings stören oft parkende Lkw das Fahrvergnügen und auch das Sicherheitsgefühl auf dem Zweirad. Wer mit dem Auto in und um Mannheim unterwegs ist, der kommt bei längeren Strecken zwar oft schneller ans Ziel, muss sich dann aber auf lästige die Parkplatzsuche einstellen.