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Boho-Bräute im Glück

Archivartikel

Kilig, das bedeutet in der philippinischen Sprache Tagalog so viel wie Schmetterlinge im Bauch zu haben. Genau dieses Gefühl will Brautmodendesignerin Veronique Sawady bei ihren Kundinnen hervorrufen: mit Kleidern aus elfenbeinfarbenen Stoffen, mit dezenten Mustern und raffinierten Details wie Ketten im tiefen Rückenausschnitt. Zehn verschiedene Modelle hängen in dem 100 Jahre alten Prachtbau Palais Lanz für ihre Kundinnen zur Anprobe bereit.

Vor drei Jahren kam der Jungunternehmerin die Idee zu Kiligdress. Da suchte sie nämlich selbst ein Brautkleid. „Ich wollte etwas leichtes, bequemes, das man auch draußen im Sommer anziehen kann. Viele Modelle waren mir zu wuchtig, mit zu viel Tüll oder hatten ein unbequemes Korsagenoberteil“, berichtet sie. Da setzte sie sich selbst an die Nähmaschine und schneiderte sich ihr eigenes Kleid.

Vintage-Flair für draußen

Im März 2016 machte die Wahl-Mannheimerin ihren Traum vom eigenen Unternehmen wahr und gründete „kiligdress“, mit dem sie seit April 2017 im Lanz-Palais beheimatet ist. Der lichtdurchflutete Saal mit den bequemen Sofas und dem weichen Teppich in der Umkleidekabine ist das Gegenteil zu den vollgestopften Brautmodengeschäften, durch die sich Heiratswillige sonst oft durchquetschen müssen. Diese Leichtigkeit zeigt sich auch in den Modellen: moderne Zweiteiler, dezente Farbtupfer oder auch ein angesagter Materialmix mit einer Wolljacke für kühlere Sommerabende. „Die Zielgruppe für solche Modelle ist kleiner als für klassische Brautkleider“, sagt die Designerin. Ihre Kundinnen sind meist Frauen Anfang 30 mit einer Vorliebe für den Vintage-Flair, „die genau wissen, was sie wollen, und dass sie sich nicht verkleiden möchten“, erzählt Sawady.

Für die Anprobe nimmt sich die Designerin gerne Zeit und vereinbart individuelle Termine mit der künftigen Braut. Schließlich müssen die Modelle, die meist nur in einer Größe im Laden vorhanden sind, auf die Figur der Kundin abgesteckt werden. „Es ist ein toller Moment, wenn die Braut ihr Kleid zum ersten Mal trägt und ihr die Tränen in die Augen schießen, weil ihr klar wird, dass sie bald heiraten wird“, sagt Sawady.

In Berlin genäht

Hat sich eine Kundin für eines der Kleider entschieden, wird dieses individuell für sie von Hand angefertigt. Ein Teil der Modelle wird in Berlin geschneidert, den anderen Teil übernimmt Sawady selbst. Nach rund drei Monaten bekommt die künftige Braut dann ihr Kleid. Und wenn sie es begeistert entgegennimmt, ist sich Veronique Sawady sicher: „Etwas Schöneres kann ich mir beruflich nicht vorstellen.“