ILMA - Ich liebe Mannheim

Café und Galerie in Einem

Archivartikel

Eigentlich war alles schiefgelaufen: Im Ladenlokal an der Kreuzung Lange Rötterstraße/Kobellstraße wollten Daniela Cohrs und ihr Geschäftspartner 2016 eine Fahrradwerkstatt eröffnen: Er sollte sich um die Werkstatt kümmern, sie wollte im Nebenraum ein kleines Café eröffnen. Dann ließ er sie hängen – und die damals 56-Jährige musste sich überlegen, wie es weitergehen sollte.

Unterstützung durch den Sohn

Doch Aufgeben kam für die Neckarstädterin nicht in Frage – und sie übernahm das Geschäft alleine. Mit der Unterstützung ihres Sohns suchte sie Möbel auf Flohmärkten, über Kleinanzeigen und steuerte einige private Sammelstücke bei, um das Cohrs zu gemütlichen Heimstätte für Kunst und Kultur zu machen, das das Café heute ist.

Treffpunkt für alle Mannheimer

„Ich wollte damals kein bestimmtes Flair schaffen und hatte kein Moodboard, ich wollte einfach Möbel. Das Cohrs soll ein Treffpunkt sein für alle Mannheimer. Wir haben Platz für jeden“, sagt die gebürtige Stuttgarterin, die für ein Studium an er freien Kunstakademie Mannheim in die Quadratestadt gekommen war. Ihre Liebe zur Kunst und ihrer Vielfalt ist im Cohrs an jeder Ecke zu spüren. Denn das Cohrs ist genauso Café wie es eine Galerie ist. Fast monatlich wechseln die Werke, die die Wände schmücken. „Es sind viele Amateurkünstler, die inzwischen auch auf mich zukommen, vor allem aus dem Bereich der Malerei“, erzählt sie. Ihre wohl außergewöhnlichsten Werke waren die eines achtjährigen Jungen. „Es hat mich fasziniert, wie er mit nur einem Strich einen Drachen gemalt hat. Das Alter sagt nichts über seine Kunst aus“, findet Daniela.

Zwei Herzstücke

Neben der Kunst ist das zweite Herzstück des Cohrs der Mittagstisch, den die Inhaberin täglich selbst zubereitet. Suppen, Nudelgerichte, Salate oder Falafel stehen auf der Mittagskarte. Einmal in der Woche gibt es ein Fleischgericht, sonst kocht Daniela vegetarisch, wie auch beim Pfannkuchenabend am Freitag. Foodtrends sind dagegen nicht ihr Ding. „Bestimmte Hypes mache ich nicht mit. Es gibt so viele heimische Gemüse- und Obstsorten, dass man keine Zutaten vom anderen Ende der Welt braucht“, findet sie. Und auch sonst wird Nachhaltigkeit im Cohrs groß geschrieben: Was übrig bleibt, spendet sie über Foodsharing-Plattformen.

Zahlreiche Ideen

Um das Cohrs weiter mit Leben zu füllen, organisiert die Inhaberin zunehmend auch Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Kabarettauftritte oder auch einen philosophischen Zirkel. An Ideen für weitere Veranstaltungen mangelt es ihr nicht: Von großen Mehr-Gänge-Menüs für Abendgesellschaften und Weinproben über Vorträge kann sie sich vieles vorstellen für die Zukunft ihres kleinen Reichs. „Das hier ist ein ,Work in Progress‘, der nie zu Ende seien wird. Aber das macht es für mich auch so spannend“, schwärmt Daniela.

Eine Mischung aus Café, Galerie und Veranstaltungslocation – das Cohrs lässt sich in keine Schublade stecken. Denn es ist so viel mehr als bloß ein Café, es ist so vielseitig wie seine Besitzerin.