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Das erwartet euch bei der "KultTour" durch die Neckarstadt

Archivartikel


Sei es an Haus- und Hofeingängen, im kleinen Läden um die Ecke oder beim Friseur: Wer zurzeit durch die Neckarstadt-Ost schlendert, lächeln überall Plakate mit einem großen, orangenen Kreis an. Ein klares Indiz dafür, dass die KultTour 2018 startet.

Denn mit der Tour ist dieses Wochenende gut verplant: Mit dem gut einen Meter langen Flyer als Wegweiser kann man Samstag und Sonntag die Werke von 150 Künstlerinnen und Künstlern an 34 Orten in der Neckarstadt-Ost bewundern. „Es ist einfach ein Sommerwochenende, an dem man durch die Neckarstadt-Ost schlendert, die Innenhöfe und kleine Ateliers entdeckt“, sagt Lys Y. Seng, die gemeinsam mit Gisela Kerntke die KultTour organisiert. Diese fügt hinzu: „Dort sieht Kunst, kann sich mit Künstlern unterhalten, Musik lauschen und Theaterstücke ansehen.“

Für die Eröffnung haben sie sich in diesem Jahr etwas ganz Besonderes ausgedacht: „Wir versuchen uns an einem Spagat zwischen dem Damaskus und der Neckarstadt-Ost“, so Gisela. Der Freitag sei auch eine Möglichkeit für die Künstler, sich am Vorabend zu treffen und auszutauschen, bevor am den beiden Folgetagen jeder in seiner Werkstatt verschwinde.

Denn am Samstag und Sonntag öffnet unter anderem die berühmte Malerin Kathleen Knauer, die zuletzt ihre Werke in den USA ausgestellt hat, ihr Atelier für die Öffentlichkeit. Dort zeigt sie Arbeiten ihrer neuen Serie „Agua“, mit der sie auf den unschätzbaren Wert des Wassers aufmerksam machen will.

Klavierkonzert, Papierkunst, Snacks

Auch der Illustrator und Künstler Mehrdad Zaeri, dessen Arbeiten Gisela als „naiv und raffiniert zugleich“ bezeichnet, hat seine Illustrationen auf Papierarbeiten von Zeljka Antic gebracht, die im kleinen Raum des „l’art pour l’art“ in der Langen Rötterstraße zu sehen sind. Zusätzlich stehen ein Theaterstück im Felina-Areal, Klavierkonzerte und eine Führung durch das Turley-Quartier für Interessierte auf dem Programm. Das Quartierfest Herzogenried im Herzogenriedpark möchte die Besucher mit freiem Eintritt und Bühnenprogramm in die Neckarstad-Ost ziehen.

Selbst die eine oder andere Wohngemeinschaft, wie „Die kleine Metzgerei“ zeigt, was sie als Lounge bei selbst gemachter Musik und Kunst mit kühlen Getränken und Snacks anzubieten hat: „Dort war im letzten Jahr einfach eine Chill-Out-Atmosphäre, die ich bei einem gekühlten Bier genossen habe“, sagt Lys.

„Die KultTour ist kein Marathon, bei dem man ein Haus nach dem anderen abarbeitet, sondern ein gemütliches Verweilen, es soll entschleunigen“, so die professionelle Fotografin. Der Meinung ist auch Gisela: „Man kann sich einen Plan schreiben, aber den kann man sowieso nicht einhalten.“

Künstler tragen orangefarbene Buttons

Damit auch keiner einfach an den Höfen vorbeiläuft, habe man in diesem Jahr alle Register gezogen: „Wir haben Luftballons, Kreidespray und natürlich die Plakate“, sagt Lys. Die Künstler selbst seien an einem orangefarbenen Button zu erkennen. So soll das Gespräch leichter fallen. „Man trifft an dem Wochenende viele Gleichgesinnte, der Stadtteil ist dann voll von Menschen, die sich für Kultur interessieren und mit denen man leicht ins Gespräch kommen kann“, stellt Gisela in Aussicht.

Mitbringen sollte man laut Lys daher vor allem Offenheit, Neugierde und das Interesse, etwas Neues zu entdecken: „Eine Altersgrenze gibt es nicht, wir freuen uns über jeden Kunst- und Kulturinteressierten.“

Auch haben sich die beiden Organisatorinnen in diesem Jahr explizit Gedanken gemacht, wie sie Kinder und Jugendliche in das Konzept einbinden könnten. Und da Lys nun einmal Fotografin ist, ist natürlich ein Fotowettbewerb naheliegend. „Der Wettbewerb ist für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren, sie müssen drei Fotos von drei Stationen machen und einsenden“, sagt Lys. Ob mit Handy oder Kamera, alles sei möglich – zu gewinnen ist unter anderem sogar ein Tag mit der Theaterfotografin.

Der Eintritt zu den Innenhöfen, Vorstellungen und kleinen Konzerten ist frei – Gisela, Lys und die meisten Künstler sind an diesem Wochenende ehrenamtlich vor Ort. Getragen wird die Veranstaltung vom Verein Kulturquer QuerKultur Rhein Neckar e.V., der sich für interkulturellen Austausch einsetzt, auch das Kulturamt der Stadt Mannheim gibt Geld dazu. „Natürlich sind auch Spenden erwünscht“, sagt Gisela.

Schlechtes Wetter? Keine Ausrede!

Nicht einmal schlechtes Wetter ist eine Ausrede, sein Wochenende nicht in der Neckarstadt-Ost zu verbringen. „Viele Dinge finden auch drinnen statt, in den Ateliers selbst“, sagt Lys. „Im letzten Jahr hat es sogar kurz geregnet, da bin ich gerade bei ‚Patino Latino’, im Lateinamerikanischen Hof angekommen“, erzählt Lys. Und was sie dort sah, habe sie begeistert: Im Innenhof hätten die Leute im Regen getanzt und gelacht. „Das Flair und die Atmosphäre machen alles wett, vor Regen braucht sich keiner zu fürchten“, sagt sie.

Und wem das KultTour-Programm noch nicht genug ist, in diesem Jahr kooperiert die KultTour mit dem Hofflohmarkt „Neckarschätze“: Von elf bis 16 Uhr kann man in den Innenhöfen der Neckarstadt-Ost und -West nach kleinen Schätzen Ausschau halten, stöbern und diese erwerben. Hierzu haben sich bereits über hundert Nachbarschaften angemeldet, es werden immer mehr. Für die beiden Organisatorinnen eine „Win-Win-Situation“, wenn man Gisela glauben darf: „Man morgens über den Flohmarkt schlendern und wenn man genug davon hat, widmet man sich nachmittags eben der Kultur.“

So oder so, wir freuen uns auf ein kulturell überladenes und hoffentlich sonniges Wochenende!