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"Der Wille zum Risiko ist entscheidend"

Archivartikel

Über drei Tage hinweg diskutierten 1000 Besucher auf dem dritten „Q-Summit“ an der Universität Mannheim die Chancen der Startup-Kultur in Zeiten digitaler Transformation – dass sich unter ihnen auch zwei junge Unternehmen aus der Quadratestadt befanden, entging dabei den Wenigsten, sind die Innovatoren aus Mannheim doch wesentliche Schritte auf ihrem Weg zum Erfolg bereits gegangen.

Durchsetzungskraft mit sozialem Zweck

Was gerade im Fall von „Pacific Straws“ keine Selbstverständlichkeit ist. Es ist keine zwei Jahre her, als Robert Dehghan und seine Kommilitonen den Plan entwickeln, ihren eigenen Beitrag zu einer ökologischen Umwelt zu leisten – und Mehrweg-Strohhalme aus Glas zu entwickeln. Dem „vermeintlichen kleinsten Übel“ des Plastikröhrchens wollten sie damit einen bewussten Kontrast entgegensetzen. „Wir waren von Anfang an von unserem Produkt überzeugt – und auch, wenn wir es zuerst nur für uns entwickelt haben, wussten wir, dass wir die Gesellschaft damit verändern können“, wie es der BWL-Absolvent aus Mannheim formuliert. Und sich dabei auch an den harten Kampf nach der Unternehmensgründung zurückerinnert. Denn auch, wenn der junge Mann die Vorzüge des aus dünnem Spezialglas gefertigten Strohhalms mit der Zeit immer perfekter vorzutragen verstand: „Ich bin mit meinen Vorträgen in zahllosen Bars und Restaurants täglich mehrfach gescheitert.

Wichtig ist, dass man sich davon nicht unterkriegen lässt, dann kann der Weg zum Erfolg gelingen.“ Worte, die sich für Robert Dehghan und seine Mitgründer langsam in die Wahrheit übersetzen. Denn nicht nur das EU-Verbot von Einwegplastik in der Gastronomie, auch die wachsende Bekanntheit ihres Angebots hat „Pacific Straws“ geholfen, unlängst 160 000 Halme zu verkaufen, Tendenz steigend. „Am Ende setzen sich die Vorteile eines bewussteren Lebens doch durch, wenn man ihnen die nötige Aufmerksamkeit schenkt“, wie es der Jungunternehmer bekräftigt – und dabei auch viel über das Erfolgsrezept verrät, mit dem das Startup „StoCard“ sich seit Jahren erfolgreich auf dem Markt platziert.

Treue trifft Innovation

Seit 2010 entwickelt das Mannheimer Unternehmen eine App für mobile Endgeräte, die Kundenkarten weltweit auf Smartphone oder Tablet-PC digital verfügbar macht, und sich unter den meist jungen Kunden längst zum Renner entwickelt hat. 35 Millionen Nutzer aus allen Kontinenten nutzen die Mannheimer Entwicklung, während 35 Mitarbeiter an deren Verbesserung arbeiten. Einer von ihnen ist Lukas Stehr. Direkt nach den Gründern mit in das Unternehmen mit eingestiegen, ist der studierte Wirtschaftsinformatiker für Daten und Design der App zuständig und bekennt: „Es ist unser Ziel, ‚StoCard‘ jeden Tag ein kleines Stückchen besser zu machen.“ Bei einer digitalen Konstruktion, die neben den Standards der großen Hersteller auch das Gusto der Nutzer treffen muss, keine Kleinigkeit.

Und so verlassen sich Lukas Stehr und sein Team bei der Entwicklung nicht einfach nur auf ihr Gefühl, sie nutzen die Chance datenbasierter Innovation, die sich immer wieder auch zu einzelnen Experimenten hervorwagt. Was bei „StoCard“ nicht weniger bedeutet als: Jeder hat Zugriff auf die Daten. Bei einem monatlichen Ideen-Workshop kann jeder, vom Praktikanten bis zum Gründer, neue Ideen artikulieren – und so ganz direkt und schnörkellos Neues schaffen. „Wir streiten uns nicht über theoretische Siege oder Niederlagen, wir probieren es einfach aus. Und dieser Wille zum Risiko, aus dem vieles wachsen kann, ist entscheidend“, wie Lukas Stehr das Erfolgsrezept auf den Punkt bringt.

Die Revolution, das wissen Robert Dehghan und Lukas Stehr gleichermaßen, proklamieren sie mit ihren Firmen-Philosophien keineswegs – dafür aber einen Mittelweg zwischen der Treue zu sich selbst und sinnvollem Weiterdenken. Ein Geist, auf den auch der „Q-Summit“-Vorsitzende Julian Wachtel stolz ist, um ihn als „Aushängeschild für die Stadt“ zu rühmen.