ILMA - Ich liebe Mannheim

Deutsche Küche auf Vegan gebürstet

Archivartikel

Wer von der Käfertaler Straße in die Verschaffeltstraße läuft, den lässt die Werbung des Restaurants Heinrichsbrücke ins Grübeln kommen: Durch die milchigen, teilweise farbigen Scheiben sieht man Tische aus dunklem Holz, auf denen Besucher mit weißen Bärten Biergläser und Spielkarten hin- und herschieben. Ein Kreideschriftzug auf einer an der Häuserwand angebrachten Tafel bewirbt „Hausgemachten Wurstsalat mit Zwiebeln“. Und: „Vegane Küche“ ist auf einem Aufsteller geschrieben, der quer über dem Bürgersteig steht. Vegane Küche? Hier? Das muss sich der kritische Restaurantbesucher genauer anschauen. Auch, dass die vegane Karte eine „Tomatensuppe mit Sahnehaube“ anführt, erweckt das Misstrauen des hungrigen Tierfreundes. Wie ernst ist das mit dem „vegan“ denn nun gemeint? Toternst, wie Betreiberin Natalja Sawatzky erläutert: „Wir servieren auch deftige Sachen, die vegan sind, zum Beispiel vegane Kohlrouladen.“ Ernsthaft? „Ja, unsere Maultaschen mit Sauerkraut und Kartoffeln, die sind der Renner!“, sagt Betreiberin Sawatzky. „Bo-Frost hat das Rezept meiner Gemüsefrikadellen geklaut“, ist die Restaurantbesitzerin überzeugt. „Sie haben sie Gemüsebratling genannt, damit es nicht so auffällt. Vielleicht haben sie ein, zwei Zutaten geändert, und schon ist es ein neues Gericht und damit legal. Essen kann man schwerlich wirksam durch Patente schützen lassen“, erläutert Sawatsky und deutet auf eine in einen Glasrahmen gefasste Urkunde. „Der Verbund VEBU hat uns in die Liste der veggiefreundlichsten Restaurants aufgenommen.“ Und die Sahne auf der Tomatensuppe? „Das ist Soja-Sahne. Soja-Sahne, -Milch, -Joghurt. Alles andere kommt aus der Region", erläutert Sawatsky.

Die gebürtige Russin hat die Deutsche Küche bei ihrer dreijährigen Ausbildung an der Industrie- und Handelskammer in Gummersbach bei Köln kennen und lieben gelernt. Später hat sie als Köchin beziehungsweise Küchenchefin in unterschiedlichen Restaurants gearbeitet. „Ich habe drei Jahre lang im Schwarzwald gearbeitet, weil ein Bekannter von mir ein Hotel gekauft hat“, berichtet Sawatzky. Anschließend hat sie in Mannheim gearbeitet, im Palm's und im Maxim's. Seit November 2013 betreibt sie das Restaurant Heinrichsbrücke. Warum ihr Restaurant so heißt, weiß sie selbst nicht genau: „Das heißt seit 1920 so, vielleicht wegen der Besitzer früher, Heinrich Hackmayer oder Heinrich Franzmann“, überlegt die Besitzerin, die sechs Tage die Woche in der Küche steht. 

 

Veganer Stromberg stattet Heinrichsbrücke Besuch ab

Kellnerin Irina Uhly steht für einen kurzen Plausch mit ihren Gästen an einem Vierertisch mit Sitzbank. „Ich habe vorher in Restaurants mit gehobener Küche gearbeitet – und mehr verdient. Aber hier fühle ich mich wohler“, erläutert Uhly und zeigt eine Reihe von Büchern, die Katharina Sawatzky, die Tochter der Betreiberin, für das Restaurant ausgewählt hat. Sie tragen Titel wie „Hochzeit machen ist so schön“ oder „Opa ist am Kopf barfuß“. Auch habe die junge Frau einen veganen Eistee erfunden. Was aber ist nun das Besondere am Restaurant Heinrichsbrücke? „Wir verschalten vegane und deutsche Küche. Sonst finden Sie vegane Gerichte oft verbunden mit indischer oder chinesischer Küche.“ Ob typisch oder nicht: Generell ist die deutsche Küche selten in dieser Gegend, die von Pizza- und Dönerbuden dominiert wird.

Kellnerin Uhly holt einen Bilderrahmen, auf dem Christoph-Maria Herbst unterschrieben hat. Ein Foto zeigt Betreiberin Sawatzky neben Stromberg aus der gleichnamigen Comedyserie. „Stromberg ist Veganer. Er hatte eine Lesung hier am Nationaltheater und ist anschließend zu uns gekommen“, berichtet Uhly.  Und man ahnt schon, was Stromberg gesagt hat, als die Kellnerin ihn gefragt hat, wie das Essen schmeckt: „Ja, läuft.“