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Die Kunst als Leidenschaft

Archivartikel

An ein Erlebnis aus seiner Studienzeit erinnert sich Friedrich W. Kasten noch genau. Als er im vierten Semester war, fragte er seinen Professor: „Sagen Sie mal, wie werde ich eigentlich Kunstkenner?“ Dieser antwortete ihm: „Wie wird man Weinkenner? Man muss viel probieren.“

Das war für den heute 67-Jährigen ein Schlüsselmoment. Aus der Aussage des Professors hat er gelernt: „Wenn ich Kunstkenner werden will, muss ich in Ausstellungen gehen, reden, kommunizieren, mich mit anderen Menschen austauschen. So werde ich zum Experten.“ Und früh übt sich, findet der Galerist. „Man kann nie früh genug anfangen“, sagt er.

Spezialisierung auf Street- und Urban Art

Kasten ist Kunsthistoriker und Inhaber der gleichnamigen Galerie in der Oststadt. Zugleich steht er als Erster Vorsitzender dem Mannheimer Kunstverein vor. Seine Interessen sind vielfältig, in seiner Galerie Kasten hat er sich allerdings auf eine Kunstrichtung spezialisiert. Man kann sie als Street- und Urban Art bezeichnen, grob gesagt: Kunst innerhalb der Stadt oder auf der Straße. Manch einer denkt da schnell an Graffiti und Schmierereien. Mit Sprayern, die Wände verunstalten, habe Streetart allerdings nichts zu tun, stellt Kasten klar. „Die Leute, deren Bilder ich verkaufe, sind voll ausgebildete Künstler“, sagt er. In seiner Galerie finden Kunden vor allem Grafiken – besonders Siebdrucke sind seine Spezialität. Diese Technik beschreibt ein bestimmtes Verfahren, mit dem die Farbe auf die Leinwand aufgetragen wird.

Faszination Kunst

Seit 1990 hat Friedrich seine Galerie in der Werderstraße. „So eine lange Zeit, das ist fast surreal“, sagt er, während er einen Zug aus seiner Pfeife nimmt. Es gibt viele Dinge, die ihn an der Kunst faszinieren. Eines davon ist, was der Betrachter über sich selbst lernen kann. „Das, was ich fühle, wenn ich ein Werk sehe, sagt manchmal mehr über mich und mein Wesen aus, als über das Werk oder den Künstler“, findet er und muss dabei ein wenig schmunzeln.

Promovierter Kunsthistoriker

Friedrich hat in seinem Leben bereits viel Kunst gesehen. Darauf ausruhen möchte er sich aber nicht, zu groß sind die Veränderungen, die die gesamte Kunstwelt erfassen. „Die Galerien-Landschaft verändert sich. Es werden weniger“, sagt er. Auch für ihn selbst waren die Zeiten nicht immer einfach. „Am Anfang geht es immer bergauf“, sagt der Vorsitzende des Kunstvereins. Die Herausforderung sei es aber, eine Kontinuität hereinzubringen, das Niveau zu halten. Der promovierte Kunsthistoriker hat das durch seine Spezialisierung erreicht: „Wenn die Leute irgendwann wissen, dass man für einen bestimmten Bereich der richtige Ansprechpartner ist, dann kommen sie immer wieder zu einem.“

Global und regional denken

Doch es gibt immer noch Fragen, die dem Galeristen Kopfzerbrechen bereiten: Wie gewinnt man jüngere Leute für die Kunst? Die endgültige Antwort hat er noch nicht gefunden. Doch einiges hat er schon getan. Unter anderem betreibt seine Galerie einen Instagram-Account. Auch der Standort Mannheim hält für ihn ganz bestimmte Herausforderungen bereit. „Ich muss global und regional denken“, sagt er. Das bedeutet, einerseits globale Themen wie „Freiheit“ oder „Umweltschutz“ bei der Auswahl der Kunstwerke in den Mittelpunkt zu stellen. Es heißt aber andererseits „regional“ unterwegs zu sein, was die Kundschaft angeht. Seine Werke verkauft er nicht international, sondern an Menschen aus Mannheim und der Region. Das ist ihm besonders wichtig. „Denn die Menschen, die hier leben, sollen etwas von meiner Arbeit haben“, sagt er.