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Ein Leben ohne Plastik? Das Selbstexperiment

Es ist überall, ständig sind wir ihm ausgesetzt: Plastik ist allgegenwärtig. Die Zahlen sprechen für sich. Jeder Deutsche produziert jährlich laut Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als 400 Kilogramm Plastikmüll. Das ist eindeutig zu viel. Vor allem wenn wir uns vor Augen führen, dass Plastik biologisch nicht abbaubar ist und aus einer endlichen Quelle, nämlich dem Erdöl, hergestellt wird. Es muss sich also mittel- bis langfristig etwas in unserem Lebensstil ändern.

Doch wie lebt es sich eigentlich ohne Plastik bzw. geht das überhaupt? Ein Leben weitgehend ohne Plastik? Ich habe das Selbstexperiment gemacht: Drei Tage ohne Plastik in einer fremden Stadt. Wie alltagstauglich ist dieser Lebensstil?

Selbst Biogurke in Plastik

Schon morgens geht es los. Ich stehe vor der Frage: was esse ich bloß zum Frühstück? Da ich bei meinen türkischen Verwandten zu Besuch bin, kommt viel frisches Gemüse und Käse auf den Tisch. Und beides kommt in einer Plastik-Verpackung daher. Wenn ich mir mein Gemüse - also zum Beispiel Tomaten, Gurken und Paprika - nicht selbst unverpackt kaufe, weiß ich nicht, woher es kommt. Und: ob es verpackt war, oder nicht. Ich mache mir also eine Liste aus Lebensmitteln, die unverpackt und verpackt sind. Leider überwiegen letztere. Ich frage mich, warum selbst einzelnes Gemüse wie etwa Biogurken eine Verpackung brauchen. Auch bei der Milchverpackung für meinen Kaffee bemerke ich, dass der Deckel aus Plastik ist. Alles Dinge, über die ich mir im Vorfeld gar nicht so im Klaren war. Inzwischen gibt es jedoch in fast jeder größeren Stadt Geschäfte, das unverpackte Lebensmittel verkaufen. Dort bringt man seine Behälter mit und füllt Dinge wie Mehl, Zucker oder Nudeln rein. Bezahlt wird nur nach Gewicht.

Verzicht bei Hygieneprodukten schwierig

Wenn es ums Trinken geht, wird es bei Tetrapacks schwierig. Denn ihre Deckel sind aus Plastik. Doch hier lässt sich auf Smoothies aus dem Glas oder selbstgemachte Säfte zurückgreifen. Mein Wasser kommt während meines Selbstversuchs aus dem Wasserhahn, statt wie gewohnt aus der Pfandflasche. Abends beim Zähneputzen merke ich, dass es auch hier schwierig ist, auf gewisse Hygieneartikel zu verzichten. Zahnbürsten und Zahnpasta bestehen aus Plastik, sind darin verpackt und beinhalten Plastikpartikel. Ersetzen kann man Zahnbürsten allerdings durch Bambusbürsten. Zahnpasta lässt sich zwar selbst herstellen, ob diese jedoch genauso gut ist wie die herkömmliche? Unverpackt-Läden bieten Pastillen an, die durch Kauen eine Zahnpasta-artige Konsistenz bekommen. Das Duschgel aus der Flasche lässt sich durch Kernseife ersetzen. Beim Deo verwende ich eins aus der Glasflasche, der Deckel ist jedoch aus Plastik. Soweit so gut. Doch der Alltag gestaltet sich nicht ganz hürdenfrei. Im Supermarkt der nächstgrößeren Stadt will ich Snacks für einen Filmabend kaufen, verzichte dann aber darauf, denn auch sie kommen ohne Verpackung nicht aus. Stattdessen kaufe ich bunte Smoothies in der Glasflasche. Im Großen und Ganzen ist Jonglieren angesagt. Wir können zwar nicht auf alles in Plastik gehüllte – gerade bei Lebensmitteln – verzichten, doch bei vielen Dingen lässt es sich vermeiden. Außerdem bieten immer mehr Geschäfte Alternativen an. Die Plastiktüte ist in den meisten Läden längst verbannt.

Mein Fazit: Wichtig ist nicht, dass wir unser Leben komplett umkrempeln, sondern gezielt kleine Schritte unternehmen, um unserer Umwelt Gutes zu tun.