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Fabian: "Wollte Mannheim ein Liebeslied schreiben"

Archivartikel

Als Neffe von Joy Fleming war die Musikalität dem 31-jährigen Fabian Raad-McAndrew in die Wiege gelegt. Wie er mit dem Familienerbe umgeht, erzählt er zur Premiere seines neuen Mannheim-Songs "Hey Mannem".

Fabian, als Friseur bist du nach London gezogen, seit dem vergangenen Jahr trittst du regelmäßig in deiner Heimatstadt Mannheim auf. Wie fühlt sich das an?

Es fühlt sich für mich recht natürlich an, gerade auch weil ich von meiner Tante und meinem Papa (dem Sänger Otto Raad, die Redaktion) gelernt habe, dass man einfach man selbst sein soll. 2017 war mit ihm zusammen auch mein erster Auftritt in Feudenheim, dieses Jahr stand ich dort allein auf der Bühne. 

 

Sind die Fußstapfen deines Vaters und deiner Tante eher Last oder Türöffner?

Es ist beides. Einerseits habe ich große Fußstapfen zu füllen. Mein Papa ist der totale Entertainer, er singt schon seit gut 40 Jahren und meine Tante war die absolute Stimmgranate. Ich versuche, von beiden etwas in mir zu verbinden. Ich habe ja erst mit Ende 20 mit dem Singen angefangen, wusste auch nicht, ob ich das kann. Aber ich kann Klavierspielen und habe mir gesagt: Wenn es mit dem Singen nicht klappt, kann ich trotzdem eine Band gründen. Aber das Singen klappt, und wenn die Leute sagen: ,Fabi, ich hab so ein bissel die Joy raushören können‘, das macht mich schon stolz. 

Statt in die Musik zu gehen, hast du ja erstmal was „Anständiges“ gelernt und bist Friseur geworden. Was motiviert dich jetzt, doch noch dem Erbe deiner musikalischen Familie zu folgen?

Das Handwerk ist sehr kreativ, man lernt dabei fast schon, auf der Bühne zu stehen. Wenn die Kunden kommen, ist es egal, ob du einen schlechten Morgen hattest, die Leute wollen ja auch ein bisschen entertaint werden.

Als passen Singen und Haareschneiden besser zusammen, als es erstmal klingt?

Es sind beides Bühnen: einmal auf der echten Bühne, einmal im Salon.

Im Salon bist du erfahren, die Bühne ist noch neu für dich. Gleichzeitig hast du dir mit deinem Mann, eurem Hund und dem Salon ein schönes Leben in deiner Wahlheimat London aufgebaut. Was hat dich motiviert, mit Anfang 30 anzufangen?

Ich habe schon immer Musik geliebt, vor allem die großen Diven wie Whitney Houston oder Tina Turner. Schon mit zwei oder drei Jahren war ich bei den Auftritten meiner Tante und meines Papas dabei und hab zwar nicht gesungen, aber alles mitbekommen.  Als ich dann vor drei Jahren mit meinem Mann bei einem Konzert der beiden war, meinte er zu mir: ,Fabi, deine Neffen und Nichten die haben diesen Bezug zur Musik gar nicht mehr, wenn die beiden aufhören. Warum fängst du nicht an, Musik zu machen?‘ Ich war erst nicht überzeugt, schließlich hatte ich vorher noch nie gesungen. Aber mein Mann hat mich motiviert und so den Stein ins Rollen gebracht.

Singen als Familienauftrag?

Es ist ja oft so, dass alle in der Familie einen Job haben, und von den Kindern erwartet wird, denselben Beruf zu ergreifen wie Ihre Eltern. Von daher war es vielleicht gerade gut, dass ich etwas komplett anderes gemacht habe und erst als Erwachsener mich bewusst für die Musik entscheiden konnte. Das hilft mir auch beim Songsschreiben: Ein 16-Jähriger, dem ein Text über die große Liebe vorgesetzt wird, kann das Gefühl nicht so empfinden und vermitteln, wie jemand, der einen selbstgeschriebenen Song für seine große Liebe  singt.  So kann ich die Familientradition weiterführen, aber von Herzen, statt aus einem Zwang.

 

Wie würdest du deine Musikrichtung beschreiben?

Eigentlich bin ich genre-free und mach so ein bisschen Blues, Jazz, Pop, R’n’B und versuche das alles zu verbinden. Bei der Produzentensuche ist es mir aber deswegen schon passiert, dass ich abgewiesen wurde, weil sich meine Musik in keine Schublade stecken lässt. 

Wovon handeln deine Songs?

Ich singe immer gerne über Liebe. Liebe ist mein Hauptthema, bei jedem Auftritt und bei den Alben gibt es immer mindestens ein Lied über meinen Mann. Aber auch Herzschmerz in der Vergangenheit oder Geschichten von Freunden inspirieren mich. Menschen sollen sich mit den Inhalten identifizieren können.

 

Warum gehst du deine ersten Schritte als Sänger überwiegend in Mannheim und nicht in deiner neuen Heimat London?

Das hat sich mehr durch Zufall ergeben. Zum einen hatte ich hier mehr Kontakte, zum anderen ist der englische Musikmarkt total riesig. Überall gibt es viele Talente, aber in Deutschland gibt es noch keinen wie mich als Sänger. Mein Gesang ähnelt teilweise eher dem Gesang einer Frau mit großen Noten und riesigen Emotionen, während Männer oft kurze Noten und sehr abgehackt singen. So eine Art zu singen gibt es in England, etwa bei Sam Smith, in Deutschland meines Wissens aber noch nicht.

Singst du lieber auf Deutsch oder Englisch?

Englisch ist viel einfacher zu singen als Deutsch, das ja oft sehr aggressiv klingt. Bei englischen Songtexten wird es mit der richtigen Grammatik nicht so eng gesehen, bei deutschen Texten stößt das aber oft auf Irritationen. Aber ich will ja den Duden nicht neu erfinden, sondern einfach meine Gefühle ausdrücken.

 

Obwohl du aus Mannheim kommst, hört man dir in deinem neuen Mannheim-Song kein Dialekt an. Wie kommt’s?

Ich singe ein Wort auf Monnemerisch, nämlich die „Neckarbrigg“. 2018 sollte es ein Tribute-Konzert für  Joy geben, wo ich den „Neckarbrückenblues“ singen wollte. Das hat leider nicht geklappt, aber ich wollte Mannheim mein Liebeslied schreiben mit ihr im Gedanken. Das Lied beginnt deswegen auch mit einer Hommage an sie. Als ich noch in Mannheim gewohnt habe, habe ich auch kein Dialekt gesprochen – aber wenn ich länger hier bin, kommt es schon ein bissel durch.

 

Wie würdest du damit umgehen, wenn es nicht der große Durchbruch wird?

Mein Ziel ist es, einen Grammy zu gewinnen. Aber wenn es nicht klappt, oder bis zu dem Ziel, ist es mir auch recht, wenn einfach Leute die Musik von mir fühlen.

 

Wenn das dein Ziel in 20 Jahren ist, wo siehst du dich in 50 Jahren?

Mein Mann sagt: ,In Mannheim‘ und das  kann ich mir auch gut vorstellen. Ich bin ja nach London gegangen, um mich selbst zu finden und die Welt erkunden – und das habe ich getan.

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