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Inklusiv und nachhaltig: das Markthaus Mannheim

Archivartikel

Der Innenhof ist vollgeparkt an diesem Freitagnachmittag. Drinnen hat sich vor der Kasse eine lange Schlange gebildet: junge und alte Menschen stehen dort, in ihren Armen halten sie Kleidungsstücke, Tassen, Koffer und Kinderspielsachen. Viel werden ihre Einkäufe nicht kosten: Oberteile gibt es hier  für drei Euro, Haushaltsgegenstände für noch weniger und die Bücher werden kiloweise verkauft. Denn Gewinne zu erwirtschaften ist für das Markthaus in Neckarau als gemeinnützige GmbH eine untergeordnete Notwendigkeit.  „Wir wollen Menschen eine Perspektive bieten und vorleben, wie man eine inklusive Arbeitswelt gestalten kann“, sagt Thomas Weichert, Geschäftsführer des Markthauses. Rund die Hälfte seiner 40 Angestellten hat eine körperliche Beeinträchtigung oder kämpft mit den Folgen psychischer Erkrankungen. Statt abgeschottet arbeiten sie hier im Second-Hand-Kaufhaus als Teil des Teams im Verkauf oder bei der Sortierung der Waren, die Aufgaben werden an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst.  

Verkauft werden in dem Second-Hand-Kaufhaus nur Spenden.  „Viele unserer Spender müssen zu Hause Platz schaffen und kommen teilweise sogar aus Heidelberg oder Bad Dürkheim, um bei uns ihre aussortierten Kleidungsstücke oder Bücher abzugeben. Möbel bekommen wir dagegen vor allem von Wohnungsauflösungen, etwa wenn der Besitzer in ein Pflegeheim umzieht“, berichtet Weichert. Die oft großen Schrankwände und Couches holen Mitarbeiter vom Markthaus bei den Spendern zu Hause ab. „Wir nehmen alles ungeachtet von Geschmacksfragen, nur sauber und funktionsfähig müssen die Sachen sein“, beschreibt der Geschäftsführer. Elektrogeräte werden zusätzlich von einem Elektriker auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Sind die Gegenstände dann in Neckarau angekommen, werden sie von Mitarbeiter sortiert. Für jede Kategorie gibt es einen festen Preis. Das soll die Arbeit beschleunigen, damit die Mitarbeiter nicht bei jedem Gegenstand den Preis individuell festlegen müssen.

Doch günstige Preise gibt es inzwischen nicht nur für Second Hand-Ware, auch Discounter verramschen viele Produkte. „Wo es eine echte Konkurrenz gibt, ist im Möbelbereich. Bei Kleidung suchen uns unsere Kunden dagegen bewusst auf, weil sie nachhaltiger einkaufen möchten“, sagt Weichert. Deswegen sehe er das Markthaus nicht primär als Sozialkaufhaus, sondern als preisgünstige Einkaufsmöglichkeit für einkommensschwache Familie, aber auch für Schnäppchenjäger oder Menschen mit hohem ökologischem Bewusstsein. „Wir wollen einfach einen Mehrwert generieren, indem wir Arbeitsplätze mit der Idee von Nachhaltigkeit verknüpfen“, so Geschäftsführer Weichert.

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