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Jedes Tattoo ein Stück Kunst

Archivartikel

Es ist Samstagmittag und im Tattoo Studio Stechmalerei in der Schwetzingerstadt ist es gut besucht. Geduldig warten Stammgäste und Neulinge auf den schweren Biedermeier Sofas im Eingangsbereich auf ihre Beratung. Die gibt es dort jeden Samstag – kostenlos und ausführlich. Daher kann es auch mal etwas länger dauern. Auf eine gute Beratung wird hier nämlich großen Wert gelegt und man stellt fest: Vorlagen und Motivbücher sucht man hier vergebens.

Ehrliche und individuelle Beratungen - jeden Samstag

Bei der Stechmalerei gibt es noch individuelle Tattoos abseits vom Mainstream. Den tätowiert Inhaber Alexander Webel nämlich nur sehr ungerne. „Manche kommen hier her mit einem Motivwunsch, den sie auf Instagram gesehen haben und wollen das genauso haben.“ Hier weißt er dann gerne mal darauf hin, dass ein Tattoo eine gewisse Haltbarkeit aufweisen sollte. Manche Stellen seien einfach ungeeignet und zu kleine Tattoos sehen in ein paar Jahren oft nicht mehr so schön aus, wie aktuell auf Instagram. Seine Kunden schätzen seine Ehrlichkeit ebenso wie seine Kreativität und sein Handwerk. Am wichtigsten ist am Ende aber, dass der Kunde zufrieden ist.

Jeder Künstler hat seinen eigenen Stil

Unter der Woche tätowieren Alex und sein Angestellter Ari ihre Kunden. „Da ist der Shop für Beratung geschlossen und wir konzentrieren uns ganz auf unsere Arbeit“, betont Alex. Während er hauptsächlich Blackwork und Tattoos im neotraditionellen Stil zeichnet und tätowiert, hat sich Ari auf geometrische Mandala-ähnliche Tattoos und Dot Work spezialisiert. Regelmäßig schauen bei der Stechmalerei auch Gast-Tätowierer vorbei und versorgen die Kunden mit ihrem ganz speziellen Stil.

Dies ist nämlich ganz wichtig, findet Alex. Jeder solle das machen, was er am besten kann und nicht einfach nur aus Geldgründen alles stechen. „Jedes Tattoo ist ein Stück Kunst und es geht zum Teil auch um eine Art Selbst-Verwirklichung“, erklärt er. Daher werde es manchmal etwas schwer, wenn Motivwünsche nicht zu seinem Stil passen. „Manche Kunden wollen das dann einfach nicht verstehen, dass ich beispielsweise keine realistischen Tattoos steche“.

Wohnzimmer-Atmosphäre mit kreativer Einrichtung

Dass er sein Handwerk versteht und sich in der Tattoo-Szene und den Trends auskennt, merkt man schnell. Schließlich tätowiert er seit fast 20 Jahren und hat schon bei diversen Tattoo Studios gearbeitet, bevor er 2014 seinen eigenen Shop nach seinen Vorstellungen eröffnet hat – wie man auch sofort bei der Einrichtung des Ladens feststellt.

Zu den barocken Sofas und antiken Möbelstücken, auf denen schwarze Kerzen stehen, reihen sich an den dunkel gestrichen Wänden Zeichnungen von zum Teil düsteren Tattoos und Hirschgeweihe. Zwischen ein paar Männer- und Tattoo-Magazinen entdeckt man dann doch ein Vorlagen Buch. „Das sind meine Wanna-Dos“, macht Alex klar. Alles selbst gezeichnet, Motive, auf die er einfach Lust habe.

Im Raum, in dem es dann ernst wird, ist es mit der gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre vorbei. Hier stehen die Arbeitsutensilien parat: Farben, Nadeln, Cremes, ein großer Stuhl, Desinfektionsmittel. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Hygiene-Standards eingehalten werden“, macht Alex klar. Und bevor die Kunden jetzt anfangen, sich zu wohl zu fühlen im „Stechmalerei -Wohnzimmer“, mache ich mich mal wieder auf den Weg.