ILMA - Ich liebe Mannheim

„Klimaschutz muss Spaß machen“

„Man muss die Menschen mit dem Herzen erreichen“, sagt Agnes Schönfelder. Denn: „Klimaschutz funktioniert nicht von oben herab. Schon gar nicht in Monnem“, ergänzt die Geschäftsführerin der Klimaschutzagentur Mannheim. Ihre Mission: „Mannheim zur klimafreundlichen, klimaresilienten und bis zum Jahr 2050 zur klimaneutralen Stadt zu machen.“ Seit Anfang des Jahres ist sie  in leitender Funktion für das Beratungszentrum tätig. Als langjährige Leiterin der Klimaschutzleitstelle der Stadt Mannheim begleitet sie diese jedoch schon seit der Gründung. Zehn Jahre ist das mittlerweile her – und seit den Anfängen hat sich viel getan. „Ich glaube, 2009 wusste noch niemand so recht, wo die Reise hingeht und dass unser Aufgabenbereich einmal so groß wird“, blickt sie zurück. Zunächst als reine Energieagentur gestartet, hat sich die Klimaschutzagentur inzwischen auch dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Dabei richtet sich die Agentur an jeden Einzelnen: „Wir wollen das Bewusstsein schärfen, damit die Leute verstehen, was sie da eigentlich tun – und was sie anderen damit antun“, sagt Agnes Schönfelder.

Bekannste Kampagne: "Bleib Deinem Becher treu"

Weil ein Konzept und eine Strategie nur so gut seien, „wie die Kommunikation darüber“, spielen bei der Klimaschutzagentur zunehmend große Kampagnen eine Rolle. Die bekannteste ist wohl „Bleib Deinem Becher treu“, die sich gegen den Gebrauch von Einweg-Kaffeebechern richtet. Eine aktuelle Kampagne will die Mannheimer Bevölkerung dazu animieren, auf das Auto zu verzichten – und das, ohne den Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen: „Uns ist es besonders wichtig, zu betonen, dass Klimaschutz auch Spaß macht“, sagt Schönfelder. Klimaschutz dürfe nicht nur eine Frage des Verzichts sein – „sei es auf Fleisch, das Auto oder Ähnliches. Deshalb wollen wir zeigen, dass man durch eine nachhaltigere Lebensweise auch etwas gewinnen kann“, erklärt sie. „Wer auf ein Auto verzichtet, der spart nicht nur Geld und reduziert den Stress durch Staus oder Ähnliches“, holt sie aus. „Durch Radfahren und Laufen wird man auch fitter – und wer aufgeschlossen ist, kann in der Bahn neue Leute kennen lernen.“ Ein wichtiger Faktor sei auch der freiwerdende Parkraum. „Diese Plätze könnte man begrünen und anderweitig nutzen.“

Blumenwiese statt Steingarten

Entschlossen blickt Schönfelder auf einen Flyer in ihrer Hand. In blauen Lettern steht „Mannheim macht Platz für Grünes!“ darauf. Er wirbt mit Prämien dafür, Dächer und Fassaden zu begrünen oder Flächen zu entsiegeln, also Pflastersteine oder ähnliches zurückzubauen. Denn dass die Stadt grüner wird, ist ein wichtiges Anliegen der Klimaschutzagentur. Ein großer Dorn im Auge sind Agnes Schönfelder und ihren acht Kollegen die inzwischen zum Trend gewordenen Steingärten – die „Gärten des Grauens“, wie die Bauingenieurin sie nennt. Diese seien „weder schön, noch praktisch und schon gar nicht pflegeleicht“, räumt sie direkt mit den oft beworbenen „Vor(ur)teilen“ auf. Vor allem aber seien sie alles andere als gut für die Umwelt: „Die Steine werden schnell mit Moos bewachsen und Flugsamen aus der Umgebung setzen sich gerne in die Ritzen. Die Beseitigung wird dann entweder mühsam oder bei der chemischen Keule extrem umweltschädlich.“ Außerdem heize sich die große Steinmasse vor allem im Sommer extrem viel stärker auf als eine begrünte Umgebung und behalte durch den sogenannten Nachstrahleffekt diese Temperatur auch länger bei. So lässt Schönfelder kein gutes Haar an dem grauen Trend. Wirklich pflegeleicht sei eine Wildblumenwiese, auf der alles so wächst, wie es wachsen will. Auch ein Vorgartenwettbewerb für Positiv-Beispiele wurde daher im vergangenen Jahr ins Leben gerufen.

Zahlreiche Kampagnen, Mitmachaktionen und Wettbewerbe runden das Portfolio der Klimaschutzagentur Mannheim ab. Alle haben das Ziel, von Mannheim aus die Welt ein bisschen besser und lebenswerter zu machen. Und das auf eine Art und Weise, die Spaß macht: „Wir versuchen, jeden Einzelnen dort abzuholen, wo er bereit ist, etwas zu tun“, sagt Schönfelder. Zum Beispiel zuerst bei der Ernährung. „Dann entwickelt er sich später vielleicht auch beim Verkehr oder beim Haus in eine nachhaltigere Richtung“, ergänzt sie. „Wir versuchen, die Leute mit Beispielen und Argumenten zu überzeugen.“ Die moralische Keule dagegen, etwa untermalt vom sterbenden Eisbären auf der Scholle, die helfe nicht besonders viel, denn, da ist sich Schönfelder sicher: „Klimaschutz muss Spaß machen.“