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Kunst auf dem Klo

Archivartikel

Der Künstler Buschwerk steht auf der Herrentoilette der „Dankbar“ im Jungbusch und hämmert Nägel in die Wand. Nach dem zweiten Anlauf hängt das Bild, das der Mannheimer Popart-Künstler „Glyphobambi“ nennt, grade über der Kloschüssel. „Kunst auf dem Klo, das wollte ich immer schon mal machen“, freut er sich. Buschwerk möchte weder seinen bürgerlichen Namen, noch ein Foto von sich in den Medien sehen: „Um mich als Person geht es nicht, sondern um meine Kunst.“ Deshalb findet er, dass er seine Kunst am besten ohne seinen Namen ausdrücken kann. „Ein Künstler hat die Aufgabe, Menschen mit Kunst in Kontakt zu bringen, und nicht sein Gesicht in die Kamera zu halten. Ich will andere mit Kunst in Kontakt bringen, die damit sonst nicht in Kontakt gekommen wären. Deswegen verwende ich auch Elemente aus der Popkultur wie Bambi oder Barbie-Puppen, die alle kennen.“

Jungbusch als Inspiration

Ursprünglich inspiriert haben ihn die kleinen Tags, also Schriftzüge, an den Häuserweänden des Jungbuschs, die er als kleine Schätze wahrnimmt. „Der Jungbusch mit seiner Unaufgeräumtheit und Veranztheit war meine größte Inspiration als ich vor sechs Jahren angefangen habe, Kunst zu machen.“ Auch sein Künstlername spiegelt seine Muse wieder, er setzt sich aus den Wörtern „Jungbusch“ und „Kunstwerk“ zusammen. Buschwerk ist in Ludwigshafen aufgewachsen, hat in Mannheim studiert und wohnt dort seit langem. Vor seiner kreativen Laufbahn hat der Mannheimer an der Mannheimer Uni in der Verwaltung gearbeitet und später in der freien Wirtschaft bei der Führungskräfteentwicklung. „Ich wollte einfach Kunst machen und sie zeigen.“

Glyphobambi

Am Anfang hat Buschwerk nur gesprayt, inzwischen verwendet er alle möglichen künstlerischen Techniken und Methoden und vermischt diese auch miteinander. „Stencil hat mir nicht gereicht. Ich wollte nicht immer das gleiche machen, das wäre mir zu langweilig. Ich verwende gerne unterschiedliche Materialien und Themen. Ich lasse mich von Streetart inspirieren und von Popart und Kitsch. Dafür ist mein ‚Glyphobambi‘ ein gutes Beispiel. Aber ich habe schon einen eigenen Stil. Wer meine Kunst kennt, erkennt, dass es ein Buschwerk ist.“ Die drei Stilelemente, die Buschwerk am häufigsten verwendet, sind Collagen, Fotografie und Stencil, also mit einer Schablone Formen sprayen. Charakteristisch für seinen Stil sind Humor, Absurdität und Pervertierung: „Das ist das, was dabei herauskommt, wenn ich mir die Welt anschaue, beispielsweise, das was die Tagesschau zeigt. Meine Kunst ist nicht politisch, ich kommentiere damit einfach die Welt.“

Seine erste Ausstellung hatte er 2012 in der Buschgalerie, außerdem stellte er seine Bilder beim Nachtwandel, sowie im Rathaus Mannheim-Wallstadt aus. Im Moment hängen seine Bilder wie eingangs beschrieben, in der „Dankbar“ auf der Toilette.