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Laura: "Drama macht gute Songs"

Was bewegt eine junge Künstlerin dazu, alles auf ihre musikalische Karriere zu setzen? Dass das kein einfacher Weg werden würde, war der 24-jährigen Gesangsstudentin und Singer-Songwriterin Laura nicht von Anfang an klar. „Ich will Sängerin sein“, hatte sie sich in der siebten Klasse in den Kopf gesetzt. „Damals dachte ich noch nicht über die Konsequenzen nach, was es bedeutet freiberufliche Künstlerin zu sein“, gesteht Laura und gibt heute zu, dass es „in der Realität ein furchtbar prekärer Job“ ist.

Laura steht kurz vor dem Ende ihres „Bachelor of Music“ an der Musikhochschule Mannheim. In einem Monat steht das Abschlusskonzert an. Während dem Studium hat sich die Singer-Songwriterin eine Karriere als freiberufliche Künstlerin und Sängerin aufgebaut. Entweder tritt sie solo bei Feiern und Hochzeiten oder gemeinsam mit dem 26-jährigen Theaterpädagogen Jeremy unter dem Namen „Luna & Lewis“ auf. „Wir zwei sind musikalisch sehr auf einer Wellenlänge und ergänzen uns sehr gut. Jeremy hat das Knowhow, das mir fehlt. Ich schreibe eher intuitiv“, beschreibt Laura ihre Zusammenarbeit. Im Rahmen der „Mannheim Music Week“ standen sie in dieser Woche bereits zweimal auf der Bühne. Kommenden Sonntag, 19. Mai, um 13 Uhr ist Laura solo bei „Music and Nature“ im Luisenpark zu hören und zu sehen. Fünf verschiedene Künstler fahren in Gondolettas über den Kutzerweiher und spielen live und akustisch ihre Musik. Für Laura ein „einmaliges Erlebnis.“

Gitarre, Klavier und Gesangunterricht

„Seit ich sprechen kann, singe ich“, erinnert sich die Künstlerin an ihre Kindheit. Sie kommt aus einem musikalischen Elternhaus. Ihre Eltern waren zwar keine Berufsmusiker, haben ihr aber dafür eine umso größere Leidenschaft für ihr Hobby vermittelt. Mit etwa fünf Jahren ging Laura in den Kinderchor, Gesangsunterricht bekam sie seit dem Gymnasium. Neben dem Singen erhielt sie Klavierunterricht und begann sich selbst Gitarre beizubringen. In ihrem Heimatort Bühl wurde sie so schnell zu „einer der besten Sängerinnen im Dorf“ und sang in mehreren Ensembles. Als sie dann 2014 mit diesem Rückenwind an die Musikhochschule kam, wo „bestimmt alle in ihrem Heimatdorf die Besten waren“, erlebte sie einen Dämpfer: „Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass das kein Zuckerschlecken wird.“

Klassische Musik sowie Jazz und Pop haben schon immer eine große Rolle in ihrem Musikerleben gespielt. Beim klassischen Gesang reizte sie „die Art, eine Technik zu erlernen mit der man mit so einer Leichtigkeit so unglaubliche krasse Töne produzieren kann.“ Die festen Vorgaben, die ihr anfangs Halt gaben, stören sie heute. In ihrer Gymnasialzeit unternahm sie erste Versuche, eigene Songs zu schreiben. „Ich konnte jedoch musikalisch noch nicht mit dem mithalten, was in meinem Kopf war“, erzählt die 24-Jährige. Richtig angefangen hat sie damit dann während des Studiums. „Ich habe in meinem Leben bestimmt schon 500 Songs geschrieben und 400 davon sofort weggeschmissen. 50 habe ich länger aufbewahrt, um sie dann drei Monate später wegzuschmeißen. Man produziert als Singer-Songwriterin unglaublich viel und wirft dann 90 Prozent in den Müll.“

Was dann letztendlich auf der Bühne zu sehen ist „ist nur ein Bruchteil von dem, was in meinem Kopf jeden Tag so passiert“, sagt Laura. Und das setzt sie vorrangig in dem Duo „Luna & Lewis“ um. Als ehemalige Coverband – damals noch mit Drummer – auf dem Nachtwandel 2015 entstanden, entwickelte sich daraus die heutige Besetzung. Laura (Gesang und Gitarre) und Jeremy (Kontrabass) haben zunächst damit angefangen, Pop-Songs in Acoustic/Jazz-Versionen zu verwandeln. „Damit waren wir unerwartet erfolgreich.“ Ihr heutiges Repertoire – bestehend aus etwa 15 Songs – beschreibt sie als „melancholischen Pop mit Jazzeinflüssen“. Warum? „Mehr Drama macht mehr gute Songs“, erklärt sie. Die Songs handeln sowohl von konkreten Vorfällen als auch von abstrakten Inhalten. Thematisch geht es meistens um Liebesbeziehungen. „Dabei schreibe ich immer zuerst die Musik und dann den Text“, so Laura. Davon gefällt ihr aktuell der Song „Talk“ am besten, der noch nicht veröffentlicht ist, aber bald als Video rauskommen soll. Ansonsten sagt sie, dass ihr Lieblingssong nahezu dreimal täglich wechsle. Wie es ein Song dazu schaffe? „Wenn ich das Gefühl habe, den könnte ich geschrieben haben, dann ist es ein Lieblingssong.“ Und dann gibt es nur eins: Dauerschleife.

Eigentlich wollte sie nicht nach Mannheim - und will jetzt nicht mehr weg

Nach Mannheim wollte sie ursprünglich nicht. Lieber wäre sie direkt auf die „Bretter, die die Welt bedeutet“ gestiegen, nach Hamburg oder Berlin. Dass sie doch hier gelandet ist, bezeichnet sie heute als „Schicksal“. Sie ist „richtig froh“ darüber und fühlt sich sehr Zuhause. Vor allem in der kulturellen Szene, die sie als sehr groß und divers empfindet. Unter anderem hat sie mit „Luna & Lewis“ 2015 von dem einjährigen Förderprogramm „Bandsupport“ der Stadt Mannheim profitiert, das regelmäßiges Coaching und Workshops anbot. Außerdem mag sie an Mannheim, dass es „auf den zweiten Blick schön ist und nicht so geleckt wie in Heidelberg“.

Neben ihrer eigenen Musik legt Laura noch als DJane auf. „Ich gehe gerne Tanzen und in den Clubs ist die Musik immer scheiße, deswegen mache ich jetzt meine eigene Party.“ Abgesehen von der Musik ist Lesen Lauras große Leidenschaft. Dieser konnte sie in den vergangenen zwei Monaten besonders intensiv als Profileserin bei „Les.Art“, einem Projekt des Jugendkulturzentrums „Forum“ und des Stadtjugendrings Mannheim, nachgehen. Dort saß sie täglich sechs Stunden in einem Glaskasten auf dem Alten Meßplatz und ließ sich von Passanten beim Lesen beobachten. Für Laura der „beste Job der Welt.“

Master in Mannheim geplant

In den nächsten Jahren sieht sie sich immer noch in Mannheim, mit dem festen Ziel von ihrer Musik leben zu können. „Hoffentlich“, fügt sie an. Sie hat vor, sich für einen Master – entweder in Operngesang oder im Songwriting – zu bewerben. Allen jungen Künstlern, die vorhaben, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, gibt sie zum Abschluss einen Tipp mit: „Traut euch, denn ihr seid immer gut genug!“

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