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Markt vs. Discounter: Wo kauft man besser?

Archivartikel

Der Frühling macht sich breit in Mannheim. Zeit für die in Hessen wohl bekannte und altbewährte Frankfurter Grüne Soße, die ja nicht nur zu Ostern wunderbar schmeckt. Aber wie macht man die eigentlich? Was brauche ich und wo bekomme ich das alles her? Auf dem Markt oder im Discounter? Diese Frage kann man sich ja immer stellen, wenn man einkaufen geht. Nun schauen wir aber mal anhand des Soßen-Beispiels, welche Unterschiede es gibt.

Atmosphäre:

Auf dem Markt scheint die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein – und dafür braucht es nur einen  Schritt von der Breiten Straße der Mannheimer Innenstadt in den Marktplatz hinein. Schon fühlt sich die Welt irgendwie mittelalterlicher an. Selbst Marktschreier gibt es hier noch. Die Menschen wandern gemütlich durch die Gassen zwischen den Ständen. Schauen mal links, mal rechts. Sprechen miteinander, grüßen sich, lächeln. Bei Sonnenschein wirkt das Obst und Gemüse noch viel bunter als es sowieso schon ist.

Im Discounter das genaue Gegenteil. Die Wege zwischen den Regalen sind schmal. Menschen zwängen sich mit ihren Einkaufswagen aneinander vorbei. Niemand hat Zeit. Die Regale selbst sind vollgestopft und häufig völlig durchwühlt. Keiner kennt sich. Synthetisches Licht durchflutet zwar diese Einkaufshalle, aber trotzdem wirkt es dunkel.

Beratung:

Der persönliche Kontakt mit den Verkäufern auf dem Markt ist quasi ein Muss. Das ist natürlich  nichts für jedermann. Viele wollen einfach ungestört einkaufen. Ihre Ware selbst in den Wagen legen und mit niemandem sprechen. Dafür fehlt es nicht an Beratung auf dem Marktplatz. Wie mache ich denn nun meine Grüne Soße? Welche Kräuter brauche ich? „Die haben wir schon alle gebündelt“, sagt eine Verkäuferin. Sie reicht einen Bund Kräuter über den Tisch, der in Papier gehüllt ist. „Das Rezept steht auf dem Papier.“ Für mich ich aber auch wichtig: „Was isst man denn normalerweise dazu?“ Auch hier gibt es Beratung. Kartoffeln und gekochte Eier – der Klassiker. „Aber auch Gänsefleisch, Schnitzel, Rindfleisch – Hauptsache, die Eier fehlen nicht“, erklärt die Frau.

Im Discounter kann man nicht mit Beratung rechnen. Freundlich sind die Mitarbeiter. Zumindest in den meisten Fällen. Oft haben sie aber so viel zu tun, dass eine Beratung gar nicht im Zeitplan liegt. Zumal die Männer und Frauen dort auch nicht ausgebildet sind, um mir zu erklären, welche Kartoffel ich besser nehme, wenn ich ganz normale Salzkartoffeln kochen will. Festkochend? Vorwiegend festkochend? Oder mehlig? Na klar, wer nicht ganz blöd ist, weiß, dass er festkochende Kartoffeln nimmt… oder doch vorwiegend fest??? Am Ende wird dann doch lieber noch einmal Google befragt. Vorwiegend festkochend, sagt das Internet.

Auswahl:

Die Auswahl an Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Brot ist riesig auf dem Markt in der Innenstadt. Jeder Stand hat eigene kleine Besonderheiten. Etwa spezielle Tomatensorten, Kräuter zum selbst einpflanzen, gefühlt tausend verschiedene Schafskäse-Aufstriche oder Eingelegtes. Wer aber den wöchentlichen Einkauf dort machen will, muss wohl oder übel noch einmal in den Discounter oder Supermarkt. Denn so etwas, wie Duschgel oder Handcreme, Putzmittel oder Hundefutter gibt es dort nicht oder nur bedingt. Das zeigt sich auch bei meinem Soßen-Problem: Joghurt und Sahne brauche ich. Die gibt es nicht auf dem Marktplatz. Und noch etwas: Was weg ist, ist weg. Und wer zu spät kommt, verpasst das Beste. So geschehen bei Bio-Eiern. Die waren schon weg, als ich da war.

Im Discounter ist die Auswahl fast genauso groß. Teil sogar noch größer. Wenn es beispielsweise um Brot geht. Hier geht man außerdem nur leer aus, wenn man wirklich sehr spät abends kommt. Und hier bekomme ich auch meinen Joghurt und die Sahne. Und Außerdem noch tausende andere Dinge, wie Müsli, Kakao, Soja Milch, Duschgel und wenn ich will, sogar eine Küchenmaschine…

Qualität:

Die Qualität des Gemüses auf dem Markt ist einfach ungeschlagen. Klar, denn das meiste kommt aus heimischem Anbau und ist daher super frisch. Die Tomaten riechen auch nach Tomaten – wie früher bei Mutti im Garten. Und das Brot… ein Traum in heller Kruste. Und das alles hält sich auch sehr lange frisch.

Aber auch über die Discounter-Qualität lässt sich nicht wirklich etwas Negatives sagen. Natürlich ist es nicht das Gleiche, wie auf dem Markt. Aber solange es schmeckt… Leider hält sich das Obst, Gemüse und Brot meist nicht so lange.

Preis:

Der Preis ist ja für die meisten das ausschlaggebende Argument, um an einer bestimmten Örtlichkeit einkaufen zu gehen. Auf dem Markt habe ich gekauft:

-          einen Bund Kräuter (4,80 Euro)

-          500 Gramm Kartoffeln (1,50 Euro)

-          Sechs grüne, gelbe und lustig aussehende Tomaten für einen Tomatensalat als Beilage (4,60 Euro)

-          Eine Hand voll Basilikum (1 Euro)

-          50 Gramm Bärlauch-Schafskäse-Aufstrich (1,40 Euro)

-          Ein Baguette (2,40 Euro).

Dabei kam ich auf 15,70 Euro. Das ist schon ein deftiger Preis. Und Joghurt, Sahne und Eier habe ich ja noch nicht einmal bekommen…

Die sieben Kräuter für Grüne Soße (Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch) habe ich im Discounter gar nicht bekommen. Hier gab es:

-          Petersilie und Basilikum (je Topf 1,19 Euro)

-          Kresse (Kiste für 0,29 Euro)

-          Bärlauch (100 Gramm 1,49 Euro)

-          Die Kartoffeln kosteten á zwei Kilogramm 1,79.

-          Normale Rispentomaten kosten hier pro Kilo 1,69 Euro.

-          Hirtenkäse-Aufstrich in verschiedenen Sorten (kein Bärlauch) kosten á 150 Gramm 1,49 Euro.

-          Ein Baguette aus dem Automaten (0,29 Euro)

-          Sahne und Joghurt (zusammen 900 Gramm)  1,50 Euro.

-          Zehn Bio-Eier gab es für 2,69 Euro.

Rechnet man das alles zusammen hätte ich insgesamt 13,32 Euro ausgegeben. Um einen besseren Vergleich zu haben, ziehe ich Joghurt, Sahne und Eier ab – und ich hätte 9,42 Euro bezahlt. Das macht schon einen Unterschied…

Nun muss letztlich jeder für sich entscheiden, welche dieser Kriterien für ihn die ausschlaggebenden sind. Der Markt ist teuer und auch nur an bestimmten Tagen. Dafür ist er aber auch umweltbewusster (meist heimisches Obst und Gemüse und Plastikverpackungen gibt es kaum), gemütlicher und frischer. Der Discounter schlägt natürlich immer mit dem Preis. Aber auch die Tatsache, dass ich hier tatsächlich fast alles kaufen kann, was ich brauche, macht den Discounter attraktiv. Dagegen sprechen jedoch das Einkaufsgefühl und die fehlende Beratung. Aber dafür gibt es ja immer noch das Internet…