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Musiker Joix: „Fühle mich im Underground sehr wohl“

Archivartikel

„Es ist eine laborhafte Art, Musik zu machen“, sagt Joix und spielt an einem runden Regler, der den elektronischen Ton immer schriller macht. Hunderte solcher Knöpfe und Kippschalter sind in der Reichweite des Hobbymusikers und verleihen dem Kellerraum die Atmosphäre der Kommandobrücke eines alten Raumschiffs. Ein Monitor, dutzende Kabel, weitere Bedienoberflächen und die großen Bässe auf dem selbstgezimmerten Tisch tragen ihr weiteres dazu bei. Lediglich der Synthesizer, der etwas versteckt unter einem Tisch steht, bringt den unbedarften Besucher weg von unendlichen Weiten zurück in den Hobbyraum in der Neckarstadt. „Den habe ich mir schon vor 20 Jahren gekauft, damit hat alles angefangen“, sagt Joix. Mit Anfang 20 gründete er damals eine Band für elektronische Musik mit zwei Freunden und kaufte sich das Instrument. Wie man es bedient, wusste er damals allerdings noch nicht wirklich. Heute gibt es auf Youtube zahlreiche Tutorials, um die Jahrtausendwende nur die Bedienungsanleitung. Zehn Jahre machten die Jungs zusammen Musik, seitdem ist Joix solo unterwegs.

„Ich beginne immer mit einem leeren Blatt und nehme erst etwas auf, wenn ich von dem Klang überzeugt bin"-Joix

Aber warum eigentlich elektronische Musik? Hätte es nicht auch eine Gitarre getan? „Eine Gitarre klingt immer nach Gitarre, ein Klavier immer nach Klavier. In der elektronischen Musik ist es ein experimenteller Ansatz, man spielt erstmal nach Gehör und hat keine Noten. Man kann es vielleicht vergleichen mit einem Gehirn: Die einzelnen Zellen, oder eben die einzelnen Töne in der elektronischen Musik, sind simpel, aber durch die Kombinationen einzelner Elemente entstehen unendliche Möglichkeiten“, schwärmt der Hobbymusiker. Wenn sich der 41-Jährige, der in seinem Hauptberuf als Webentwickler arbeitet, in seinen Hobbyraum zurückzieht, kann es schon mal ein paar Stunden dauern, bis man ihn wieder sieht – was er auch seinen eigenen Ansprüchen schuldet. „Ich beginne immer mit einem leeren Blatt und nehme erst etwas auf, wenn ich von dem Klang überzeugt bin. Das kann auch mal etwas dauern“, gesteht er lachend.

Über die Jahre hinweg hat Joix einiges in sein Hobby investiert und sich nach und nach sein eigenes kleines Tonstudio gebaut. Heutzutage könne man davon zwar auch vieles am Computer machen. „Aber ich mag diesen Sound lieber, den bekommt man am Computer nicht hin. Am Computer ist es effizienteres Musikmachen, ich liebe aber das Tüfteln am Sound.“ Zudem sei es für ihn als Webentwickler eine angenehme Abwechslung, statt am Computer zu sitzen, auch mal analog mit den Händen zu arbeiten.

Im Februar hat Joix nun sein drittes Album veröffentlicht, „Trinity“. Rund ein Jahr hat er daran gearbeitet, Wochenenden und Feierabend damit verbracht. Mehrere Wochen saß er teilweise an einem Song, manchmal lief eine Session auch ins Leere und er brach nach ein paar Stunden ab. „Man kann es schließlich nicht erzwingen.“ Ans Aufhören habe er trotz des Stresses oder frustrierender Momenten währenddessen aber nie gedacht, sagt er. „Für mich ist das Musikmachen eine Herzensangelegenheit, bei der ich den Alltag verarbeiten kann. Aber ein Album zu machen ist trotzdem das Schlimmste, was du dir antun kannst“, meint er scherzend. „Aber dieses geile Gefühl, wenn du es geschafft hast, macht alles wieder wett.“ Falls sich so langfristig die Gelegenheit ergeben würde, die Musik zu Hauptberuf zu machen, würde Joix nicht zögern, sagt er. „Aber momentan fühle ich mich im Underground sehr wohl.“