ILMA - Ich liebe Mannheim

Nachhaltige DIY-Mode zum Selbermachen

Archivartikel

Wer beim Wort „Nähen“ an Omas Blusen oder Mamas Patchwork-Decke denkt, der war wohl noch nie im Delta Fabrics. Der junge Stoffladen in der Mannheimer Neckarstadt-Ost zeigt eine ganz andere Seite der traditionellen Handarbeit. Statt schweren, langweiligen Materialien besticht der lichtdurchflutete Laden der Jungunternehmerinnen Kirstin Kellermann und Anne Lang mit einer großen Auswahl an allem, was das Näherherz höher schlagen lässt: Neben meterlangen Reißverschlüssen, dutzender verschiedener Nadeln für die Nähmaschine und vielen weiteren Utensilien gibt es rund 500 Stoffe in allen Farben des Regenbogens.

Manche sind aus leichter Baumwolle und bunt bedruckt zum Beispiel für Kindershirts, andere aus festeren Materialien für Blusen oder extra strapazierfähig für Kissen. „Viele unserer Kundinnen sind zwischen Mitte 20 und Mitte 30 und wollen für sich und ihre Kinder mit dem Nähen anfangen“, erzählt Kellermann. Aber auch ältere Kundinnen besuchen gerne den Laden. „Viele nähen schon seit Jahrzehnten und sind auf der Suche nach neuen Stoffen“, meint Kellermann. Ihre Materialien beziehen sie überwiegend aus Europa, einige importieren sie aber auch aus Japan

Trend aus Berlin

Die Wahlmannheimerinnen nähen beide schon seit Kindertagen und bedauerten es, dass es in Mannheim kein Geschäft speziell für Jüngere gibt. „In Berlin gibt es viele kreative Stoffläden, Nähen ist dort total angesagt“, berichtet die gebürtige Berlinerin Kellermann. Nachdem sie 2010 nach Mannheim gezogen war, musste sie Stoffe online bestellen.

„Dabei haben Stoffe viel mit Haptik zu tun. Man muss sie anfassen und im Tageslicht betrachten, um einen Eindruck davon zu bekommen“, meint sie. Denn was selbst genäht ist, hält oft länger als die Ware von der Stange. „Die Qualität ist eine ganz andere als bei vielen Modeketten und Selbstgenähtes kann bei Kinderkleidung oft sogar günstiger sein als Klamotten aus dem Laden“, sagt Kellermann. 

Auch Kurse für Männer

In ihrem Geschäft sind die Unternehmerinnen meist mit Maßbändern in der Hand unterwegs, beraten und schneiden Stoffe zurecht. Wer eine Frage hat, merkt schnell – die Beiden verkaufen nicht nur, sie kennen sich auch damit aus. Ihr Wissen vermitteln sie auch abends: Dann gibt es Kurse für Näh-Neulinge. „Besonders beliebt sind der ,Kissen, Käse und Wein-Kurs‘ und der ,Nähmaschinen-Führerschein'“, sagt Kellermann.  Überwiegend Frauen besuchen die Kurse, doch auch bei Männern scheint das Interesse an Selbstgemachtem zu wachsen. „Wir bieten jetzt auch einen speziellen Männer-Nähkurs an – und die Resonanz ist sehr positiv“, berichtet sie.