ILMA - Ich liebe Mannheim

Nur zwei Wochen offen

Neueröffnung: Das Pop-Up-Café Werq in der Neckarstadt

Archivartikel

Abschlussarbeiten im Studium sind langweilig, theoretisch und realitätsfern: Das kann denken, wer will - bei Carina Klein und Ines Brucker trifft das auf keinen Fall zu.  Denn wer in den nächsten zwei Wochen bei den zweien eine Kola oder einen Kaffee trinkt, ist Teil ihrer Masterarbeit. Nicht etwa als Versuchskaninchen -  sondern einfach als Gast in ihrem Café Werq.

Kennengelernt haben sich Carina und Ines im Design-Studium und schnell gemerkt, dass sie auf einer Wellenlänge schwimmen. "Wir hatten den gleichen Traum, ein Café zu eröffnen und gleichzeitig noch im Kreativbereich tätig zu sein", sagt Carina. Viele Ideen haben sie dann gemeinsam entwickelt, Luftschlösser gebaut und an eine Realisierung nie wirklich geglaubt. Kommilitonen hätten sie dann ermutigt, für ihre Masterarbeit ein Design-Café zu entwerfen, und als die theoretische Arbeit stand, das theoretische Café in ein echtes zu verwandeln. Gesagt, getan. "Erst wollten wir nur ein konzeptionelles Café machen, aber jetzt sitzen wir hier", sagt die 30-jährige Ines lachend. "Und die Master-Arbeit ist schon abgegeben", ergänzt sie die ein Jahr ältere Carina von der anderen Seite des kleines Café-Tisches.  

Irgendwo in der Nachbarschaft spielt eine Drehorgel, die Sonne scheint am wolkenfreien Himmel und Carina und Ines sitzen auf ihren kleinen selbstgemachten, würfelförmigen Holzmöbeln, die sowohl als Tisch als auch als Stuhl genutzt werden können, auf dem Bürgersteig vor ihrem Laden. Wenig Schlaf hätten sie gerade so kurz vor der Eröffnung diesen Freitag, 29. Juni. Etwa fünf Stunden pro Nacht, sagen sie, und noch so viel zu tun. Doch weder merkt, noch sieht man das den beiden an. "Ach, das wird schon alles!", sagt Ines lässig und macht ihre Lippen zu einem Duckface.

Basteln und Bauen

Ihr Café ist dabei kein gewöhnliches, denn es existiert ab diesem Freitag nur für zwei Wochen bis Freitag, 13. Juli. Ein Pop-Up-Café also und ein neuer gastronomischer Trend, der Abwechslung in die Städte bringen soll. Ein Café oder Restaurant öffnet nur für eine kurze Zeit, potentielle Gäste erfahren davon vor allem über das Internet und über Hören-Sagen. "Gleich richtig zu gründen, haben wir uns nicht getraut", sagt Carina. Doch wenn es gut läuft, könnten sie sich vorstellen, das noch länger zu machen. "Wir könnten uns auch vorstellen, dieses  Pop-Up noch einmal woanders zu eröffnen", so Ines.

Neben dem hippen Ambiente durch die selbstgemachten Holzmöbel und durch minimale Dekor-Elemente wie Kakteen oder Kerzenständern aus Draht ist es vor allem das Konzept des Café Werq, das vielversprechend klingt. Denn nicht nur Café will es sein, sondern Werkstatt-Café. "Die Menschen wollen in ihrer Freizeit tätig sein", sagt Carina. "Nur Digitales kann man nicht richtig in den Händen halten", sagt Ines. Mit ihrem zwei-wöchigen Konzept-Café wollen sie also ein Treffpunkt sein und ihren Gästen ein Abtauchen in Analoges und Kunst ermöglichen.

Neckarstadt als kreativer Ort

In den Räumen einer alten Eisdiele in der Neckarstadt West, in der das Café Werq seinen Platz gefunden hat, stehen nun alte Werkbänke, Basteltische und Kartons mit Do-It-Yourself-Utensilien. Und da wird es in den zwei Wochen Workshops im Beton-Lampen-Gießen, im Memoriedruck oder im Buchbinden geben. "Uns und unserem Pop-Up geht es immer um das Handwerk", sagt Ines. "Deswegen auch unser Name. Werq steht für Handwerk, das 'q' für Qualität", so Carina.

Und das zieht sich durch ihr Konzept. So gibt es verschiedene Kaffeesorten, ob mit Aeropress oder Siebträger verschiedene Typen der Zubereitung, selbstgebackene Kuchen oder jeden Tag eine andere hausgemachte Limonade. Alle Werbeflyer und Visitenkarten sind handgestempelt und die Plakate sogar in Linolplattentechnik selbstgedruckt. "Handwerk steckt bei uns also überall drin!", sagt Carina und schaut auf die handgemachten Plakate, die das Schaufenster des Cafés noch verdecken. Dann schaut sie in die Nachbarschaft, gegenüber befindet sich ein Urban-Gardening-Projekt, ein alter Bauwagen steht dort, nebenan ein Kiosk, indem einige ein Feierabendbier trinken.

Wieso eigentlich in der Neckarstadt? Das sei ein Tipp aus der kulturellen Stadtentwicklung der Stadt Mannheim gewesen, denn zuerst wollten Carina und Ines das Pop-Up im Jungbusch eröffnen. In dem Viertel, wo sie auch wohnen. "Aber der Jungbusch ist wirklich langsam durch. Die Penthouse-Wohnungen werden da jetzt hochgezogen", sagt Ines. In der Neckarstadt sei noch Platz für Kreative und junge Leute. Alles ist dort möglich. Und für zwei Wochen mischen Carina und Ines mit eigener Hände Arbeit da mit: nicht nur mit Milchschaum für den Kaffee und mit Beton für Lampen, sondern mit Visionen für ein Stadtleben der Zukunft. Denn wir alle lieben Mannheim.