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Ostafrika im Herzen Mannheims

Archivartikel

„Der Grünkohl ist die Grenze zwischen dem veganen Essen und dem Fleisch“, erklärt Asayesh Räuschel und zeigt mit dem Finger auf die Mitte des Tellers. Dort nimmt das Gemüse seine trennende Funktion ein. Auf der einen Seite des Kohls befinden sich Hühnchenstreifen und Rindfleischwürfel, die andere Seite des Tellers wird von Bohnen, Karotten und Linsen belegt.

Äthiopisch und eritreisch

Im Restaurant YEnat mitten in den Quadraten wird äthiopisch und eritreisch gekocht. Traditionell gibt es in den Küchen der beiden nordostafrikanischen Länder aus religiösen Gründen viele vegane Gerichte. An Tagen, an denen nicht gefastet wird, essen die Menschen hingegen gerne Fleisch. „Milchprodukte finden sich kaum in unserer Küche“, sagt Asayesh, die das YEnat seit Oktober 2018 zusammen mit ihrer Tochter Salome betreibt.

Wie bei der Mutter

YEnat bedeutet auf Amharisch, einer äthiopischen Sprache, so viel, wie „das der Mutter“. „Essen und Ambiente sollen sich anfühlen wie bei der Mutter“, sagt Salome. Bei Menschen mit nordostafrikanischen Wurzeln weckt der Besuch in dem kleinen Restaurant in G 5 regelmäßig Heimatgefühle. Aber auch alle anderen Gäste sollen sich im YEnat wohlfühlen, ein leckeres Essen genießen und eine besondere Kultur näher kennenlernen.

Mild bis scharf

Die Grundlage eines jeden Gerichts, das Asayesh in ihrer Küche zubereitet, ist Injera. Das weiche und gesäuerte Fladenbrot wird als Sättigungsbeilage auf jedem Teller mitserviert. Auch Kartoffeln in Currysoße finden sich auf der Speisekarte des YEnats, ebenso mit Knoblauch oder Zwiebeln gedünstete Hülsenfrüchte und Spinat. Huhn, Lamm und Rind werden gerne mit einer scharfen Tomatensoße angeboten. Jedes Hauptessen auf der Karte ist mit ein bis drei Chili-Früchten versehen. Eine Peperoni zeigt, dass es sich um ein mildes Essen handelt, wer einen Teller mit drei Symbolen bestellt, sollte scharfes Essen mögen.

Kaffee und Weihrauch

Nach dem Hauptessen wird es Zeit für den Kaffee. Das koffeinhaltige Getränk nimmt in Äthiopien und Eritrea eine wichtige gesellschaftliche Funktion ein. Verwandte und Bekannte sitzen zusammen und eine Person aus der Gruppe bereitet den Kaffee zu, der häufig mit Zimt oder Nelken aromatisiert wird. „Das riecht dann immer sehr intensiv“, erzählt Salome. Wenige Augenblicke später betritt ihre Mutter Asayesh den Gastraum und trägt ein kleines Tablett, auf dem sich Tassen und eine Kanne aus Ton stehen. In ihr befindet sich der heiße Kaffee, der kurz zuvor frisch gemahlen und geröstet wurde. Außerdem steigen helle Schwaden aus einen einem offenen Gefäß nach oben. „Das ist Weihrauch. Der Duft gehört einfach zum Kaffee dazu“, klären die beiden Frauen auf.

Kultur erfahren

Mit dem Espresso-ähnlichen Getränk in der Hand kann man sich bequem zurücklehnen und den Wandschmuck bestaunen. Der christliche Glauben ist allgegenwärtig. Auf weißen Leinentüchern lassen sich beim zweiten Mal hinsehen Kreuze ausmachen, auch Engel sind zu erkennen. Bilder zeigen Männer in traditionellen Gewändern und barbusige Frauen mit viel Schmuck um den Hals. Die Inneneinrichtung wirkt zurückhaltend elegant und nicht kitschig. „Die komplette Dekoration haben wir aus Äthiopien“, sagt Salome, die am Ende des Besuchs noch ein spezielles Getränk auf den Tresen stellt: Tej ist ein kalter Honigwein mit niedrigem Alkoholgehalt, der einen Gegensatz zu den sehr warmen und würzigen Speisen bildet. „Unseren Gästen soll es eben nicht nur schmecken, sie dürfen auch gerne etwas von unserer Kultur mitnehmen“, erklärt Asayesh die Philosophie des YEnats.