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Pop-Up-Restaurant Ramenstube eröffnet in der Beilerei

Archivartikel

Ramen, das sind doch diese Asianudeln vom Discounter, bei denen es vier Päckchen für einen Euro gibt, oder? „Unsere Ramen schmecken wie Aldi, nur in geil“, sagt Felix und lacht. Der 26-jährige ist Mannheimer, ehemaliger Bauingenieurswesen-Student, inzwischen Koch-Azubi in der gehobenen Gastronomie – und kreativer Küchenchef der „Ramenstube“. Gemeinsam mit Malte (26) und Kai (24) hat er den Pop-Up-Store gegründet, in dem es bis Ende Januar die Nudelsuppen gibt.

„Sushi hat sich etabliert, der Burger ist fast tot, es ist Zeit für einen neuen Trend“, ist Felix überzeugt. Zudem sei Ramen noch eine Nische in Mannheim, ergänzt Kai, der ehemalige IT-Unternehmer, der sich jetzt um die Planung, Vermarktung und Organisation des Ladens kümmert; kein anderes Restaurant in Mannheim habe sich bislang auf die Suppe spezialisiert. Unverständlicherweise für die Jungs. „Im Grund ist Ramen eine Kraftbrühe mit Fleisch, Nudeln und Gemüse, also gar nicht so weit entfernt vom deutschen Geschmack“, meint Kai.   

Die Socken müssen stimmen

Im Juli 2018 fassten Felix, Malte und Kai, die sich über gemeinsame Freunde kennengelernt hatten, den Entschluss, gemeinsam ein Pop-Up aufzumachen. „Als Kai mich gefragt hat, ob ich Ramen machen will, habe ich ihm nur geantwortet:,Ich mach es, wenn du die Socken machst‘“, erzählt Felix und lacht. Schon im Vorfeld hatten sich die Mannheimer darüber unterhalten und gewitzelt, dass sie für so einen Laden unbedingt Socken mit Ramenaufdruck bräuchten. „Ich habe eigentlich nur rumgealbert und mich mit meinem Versprechen verplappert.“ Über einen befreundeten Jungunternehmer hat Kai die Socken als zusätzliches Feature für die Ramen-Experience produzieren lassen – und Felix gemäß seines Versprechens angefangen, an den Rezepten zu tüfteln.

Denn wer bei Ramen an Nudeln in Brühe denkt, unterschätzt das Gericht. „Wir wollen traditionelle Ramen verkaufen, aber mit einem modernen Twist“, erklärt Felix. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt der Blick auf die Karte für die Eröffnungswoche: Neben klassischer Suppe mit Hähnchen gibt es auch Wildschwein-Ramen mit Rosenkohl und Vanille-Safran-Brühe. Künftig soll das Angebot wöchentlich wechseln, eine vegane Variante, eine klassische und eine extravagante mit Fleisch oder Fisch sollen dabei immer auf der Speisetafel stehen. Die Gerichte kochte Felix in seinem Ausbildungsbetrieb vor, erzählt er, in der Beilerei wird in Ermangelung einer Küche nur noch aufgewärmt.  Doch die extravaganten Zutaten haben ihren Preis: Zwischen 8 und 11 Euro kosten die Suppen, Extras wie ein Ei oder Edamame kommen noch dazu – mehr als ein Döner, aber ein vergleichbares Preisniveau mit den Burgerläden im Umkreis der Beilerei.

Ausprobieren, ob das Konzept funktioniert

Als „Testballon“ bezeichnet Kai das Pop-Up-Konzept. „Ich habe noch nie in der Gastronomie gearbeitet und weiß weder, ob es mir Spaß macht, noch ob unser Konzept aufgeht.“ Felix dagegen  hat ein anderes „Hindernis“ – er muss erst noch seine Ausbildung abschließen. Etwas Ausprobieren, die Ramen auf den Markt bringen, aber auch das Konzept Pop-Up für andere öffnen und in Deutschland bekannter machen: das hat die jungen Mannheimer motiviert. „Schließlich passt das Prinzip, erstmal zu Testen gut zur deutschen Risikoscheu“, meint Kai. Doch auch wer nur für zwei Wochen einen Laden eröffnet, muss einige bürokratische Hürden beachten und rechtliche, sowie Hygienevorschriften beachten, was auch die Gründer lernen mussten.

Doch wie kam es eigentlich zum Namen Stube, warum nichts Hipperes? „Wir wollen in der Ramenstube asiatische und deutsche Tradition zusammenbringen, und bei der gemütlichen Atmosphäre mit viel Holz in der Beilerei  hatten wir gleich die Assoziation dazu.“

Doch so aufregend und neu das Konzept der Ramenstube ist, eine Wehrmutstropfen hat es: Ende Januar ist es vorbei – eine Verlängerung schließen die Jungunternehmer erstmal aus.