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So fährt es sich mit dem VRN NextBike - der Selbstversuch

Archivartikel

Das Treiben am Paradeplatz ist hektisch. Menschen rennen über Schienen, auf denen Straßenbahnfahrer in ihren Kabinen aufmerksam von rechts nach links und noch einmal in die andere Richtung schauen. Freunde treffen sich zum Stadtbummel – es wird telefoniert, gelacht, mit Einkaufstüten hantiert. An der Fahrradstation auf der gegenüberliegenden Seite eines Kleidungsgeschäfts sind viele Terminals leer, doch zwei Fahrräder stehen noch in ihren Stationen. Gut, denke ich mir. Bei schönem Wetter möchte ich lieber mit dem Fahrrad als mit der Straßenbahn nach Hause fahren.

Es ist kein Zufall, dass gerade am Paradeplatz eine Station des VRN NextBike zu finden ist. Schließlich gibt es in Quadraten zahlreiche solcher eher unscheinbaren Terminals, die Mannheimern die Möglichkeit bieten, sich ein Zweirad unkompliziert und schnell zu leihen. Nach einem guten Monat, den der Autor dieses Textes das Angebot getestet hat, lässt sich sagen: Bikesharing, auf Deutsch etwa: „Fahrrad teilen“, lohnt sich. Es macht Spaß. Ist wenig kompliziert – und umweltfreundlich.

Zehn Euro habe ich für einen Monatstarif im April bezahlt. Der Vorteil: Bei jeder Fahrt ist die erste halbe Stunde umsonst. Mal eben zum etwas weiter entfernten Supermarkt, abends spontan zu einem Kumpel oder am Wochenende zur Verabredung in die Stadt. Zu all dem komme ich umsonst – jedenfalls dann, wenn in der Nähe des Ziels eine Station ist, an der ich mein geliehenes Rad auschecken, also: zurückgeben kann.

In der Smartphone-App „Nextbike“, über die ich auch die Fahrräder ausleihen kann, recherchiere ich vor jeder Fahrt, wo in der Nähe meines Zielortes Nextbike-Stationen sind. Mit einem Klick auf den Icon sehe ich Adresse und freie Ständer an diesem Ort. Auch kann mich die App zu dem Ziel navigieren. Finde ich keine Station, die mir liegt, so kann ich das Fahrrad über die Zeit meiner Abwesenheit auch abschließen: Sofort nach der Ausleihe bekomme ich per SMS und über die App den Code für das Zahlenschloss geschickt – der Nachteil: solange das Fahrrad an keiner Station abgegeben wird, ist es geliehen und kostet. Dabei sind in drei der vier üblichen Tarifen neun Euro der Tageshöchstsatz, beim vierten gar nur fünf Euro.

Neben dem Monatstarif (zehn Euro Pauschal) bietet Nextbike dem Nutzer auch einen Basistarif an. Hier wird pro halbe Stunde jeweils ein Euro abgerechnet, weitere Kosten fallen nicht an. Neun Euro ist die Höchstgrenze an einem Tag. Entschließt sich der Nutzer, pauschal 48 Euro im Jahr zu bezahlen, so bekommt er wie auch beim Monatstarif die erste halbe Stunde Fahrt umsonst. Anschließend kommt zu den bezahlten 48 Euro je halbe Stunde ein Euro dazu. Auch hier sind neun Euro der Höchstwert an einem Tag. Mit dem „VRN + Jahrestarif“ kommen Kosten von 39 Euro im Jahr auf den Nutzer zu. Auch hier ist die erste halbe Stunde frei, für jede weiteren 30 Minuten fallen zusätzlich 50 Cent Gebühr an. Der Tageshöchstsatz liegt bei fünf Euro.

Innerhalb des Gebiets des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) gibt es mehr als 15 Städte, die sich an VRN Nextbike beteiligen. Wer ein Fahrrad in Mannheim ausleiht, kann dieses theoretisch auch in Kaiserslautern, Bensheim, Heidelberg oder Speyer zurückgeben.

Zweckdienlich für kürzere Fahrten 

Die Fahrräder sind qualitativ zwar wenig hochwertig, dafür aber zweckdienlich. Es gibt die Möglichkeit, Einkaufstüten in eine Ablage vor dem Lenker oder auf den Gepäckträger zu legen. Für längere Radtouren eignet sich das Programm dagegen nicht. Einigen Rädern ist der täglich Gebrauch anzumerken, etwa dann, wenn die Gangschaltung nicht richtig funktioniert. Das ist ärgerlich, lässt sich aber wohl wegen der Frequentierung nicht gänzlich vermeiden. Außerdem nehmen die Möglichkeiten, das Fahrrad zurückzugeben, ab, wenn man sich außerhalb des Stadtkerns aufhält. So gibt es beispielsweise im südlichen Stadtteil Rheinau-Süd laut App gar keine Rückgabestation. Und auch in Wallstadt und Feudenheim findet „Nextbike“ keine Leihstationen.

Fazit:

Unter dem Strich lässt sich sagen, dass das Bikesharing-Angebot für den Stadtgebrauch durchaus Sinn macht. Kurze Wege können kosten- und umweltfreundlich zurückgelegt werden. Mannheimer, die entweder gar kein Fahrrad haben oder sich – eigentlich zu Fuß unterwegs – spontan entschließen, auf zwei Räder umzusteigen, profitieren von dem Angebot. Für weitere Strecken hingegen eignet sich das Angebot aufgrund der Qualität der Räder und das über die Innenstadt und die angrenzenden Stadtteile hinaus noch nicht ganz ausgebaute Stationen-Netz jedoch nicht.