ILMA - Ich liebe Mannheim

Vom Watt in die Quadrate

Archivartikel

Ohne Käse gäbe es US-Präsident Donald Trump nicht. Zumindest nicht auf den Zeichenblöcken des 34-Jährigen Illustrators und Cartoonisten Hannes Mercker. Wer nun Satire vermutet, liegt falsch. Der Weg, der den gebürtigen Oldenburger Illustrator und Cartoonist, der mittlerweile für Unternehmen, Verlage, Agenturen und Tageszeitungen wie den „Mannheimer Morgen“ arbeitet, zu seinem Job brachte, führt über Einkaufszettel mit gezeichneten Lebensmitteln. „Wenn in meiner WG Käse oder Milch fehlten, habe ich das nicht aufgeschrieben, sondern illustriert“, erzählt er.

In seinem Arbeitszimmer in seiner Wohnung in Mannheim-Feudenheim, wo er mit seiner Frau, den beiden kleinen Zwillingstöchtern und dem kürzlich geborenen Sohn lebt, hängen einige seiner Zeichnungen hinter Glas, auch drei „MM“-Titel sind dabei. An der Wand auf Augenhöhe sind Zeichenschnipsel angebracht. Gedächtnisstützen, wie er verrät. „Wenn mir einmal eine bestimmte Haltung besonders gut gelungen ist, hänge ich die Zeichnung auf. Dann kann ich mich bei kurzfristigen  Aufträgen daran orientieren und muss nicht lange vor dem Spiegel schauen, wie eine bestimmte Pose aussieht.“ Auf einem Regal steht ein Wimmelbild von Oldenburg, sein Lieblingswerk. Das Original ist zwei mal vier Meter groß und war Bestandteil einer Ausstellung, die ihm seine Heimatstadt 2015 gewidmet hat.

 

"Im Norden steht in den meisten Kühlschränken mein Joghurt"

Anders als die meisten anderen Cartoonisten, war er als Kind kein Comicleser. Zwar fing er in der Schule an, Comic-Figuren nachzuzeichnen, damals habe er aber „nur ein bisschen rumgekrickelt“. So richtig erwachte die Leidenschaft am Zeichnen erst nach dem Abitur. Seinen Zivildienst absolvierte er im Naturschutz auf der kleinen Nordseeinsel Pellworm, wo es „mehr Schafe als Einwohner gibt“, wie er sagt.  Dort engagierte er sich im Naturschutz, zählte Vögel, führte Touristen durchs Watt  – und begann im Winter, „als dort wirklich gar nichts mehr los war“, intensiv zu zeichnen. Es folgten Wettbewerbe und zahlreiche Ausstellungen. Seinen ersten größeren Auftrag bekam er von einer Molkerei, für die er Joghurtbecher entwarf. „Mit dem Unternehmen arbeite ich heute noch zusammen und im Norden steht in den meisten Kühlschränken mein Joghurt“, sagt er lachend.

Studiert hat der 34-Jährige Gundschullehramt in Freiburg. Kurz arbeitete er 2009 als Referendar, also als Lehramtsanwärter, in Ellwangen, entschied sich dann aber gegen die Schule und ganz für seine Zeichnungen. Der eher untypische Einstieg ins Cartoonzeichnen sei hilfreich gewesen. „Dadurch habe ich meinen ganz eigenen Stil entwickelt.“ Wo andere Cartoons Details einsparen, bringt Mercker welche ein, stellt der Haupthandlung Nebenschauplätze zur Seite. Der Skizze folgt die saubere Schwarz-Weiß-Zeichnung mit Bleistift, die mit einem Fineliner überzeichnet wird. Die Kolorierung erfolgt meist am PC – in gedeckten Farben, auch das ist typisch für Mercker

 

Bereits vier Bücher veröffentlicht

Zwischen dem leeren Blatt und der farbigen Zeichnung vergehen etwa fünf Stunden. Aufträge für Zeitungen wie den „MM“ müssen schneller gehen. „Für Zeitungsarbeiten habe ich zwei bis drei Stunden Zeit. Dann sitzt man am Schreibtisch vor dem leeren Blatt und die Idee muss kommen.“ Das hat bisher aber immer geklappt. „Es sähe auch komisch aus, wenn ich den Kunden anrufe und sage, dass keine Idee kam“, sagt er und lacht.  Auch an eigenen Ideen mangelt es ihm nicht. Beispielsweise ist ein Mannheim-Buch in Planung. Zu seiner Norddeutschen Heimat hat er bereits vier Bücher veröffentlicht.

Der erste Eindruck von Mannheim sei damals nicht so gut  gewesen, doch das habe sich sehr schnell geändert. Heute liebt er seine Wahlheimat -  aufgrund der Vielfalt, der Kreativität, und weil sie am nördlichsten Zipfel Baden-Württembergs liegt. Denn hin und wieder vermisst er ihn dann doch: seinen Norden. Aber dann hat er ja noch sein detailreiches Wimmelbild und die Pellwormer Schafe in seinen Büchern.