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Zwei Konzepte, ein Ort: Café Schön und Klar Bar

Archivartikel

Christian Ehrhardt hat einen Traum. Ja, vielleicht ist es sogar eine Vision. „Irgendwann“, sagt er, „irgendwann machen vielleicht alle Barbetreiber im Jungbusch das, was wir hier machen.“ Das, was Christian Ehrhardt und seine Kollegen „machen“, lässt sich vor allem mit einem Begriff beschreiben: Nachhaltigkeit. Christian Ehrhardt ist Betreiber des Cafés „Schön klar“ im Mannheimer Stadtteil Jungbusch. Als „100 Prozent klimaneutral“ bezeichnet sich die Gastronomie an der Ecke Beilstraße/Werftstraße, aus der am Abend die „Klarbar“ wird.

Die Einrichtung in dem lang gezogenen Raum wirkt modern und heimelig zugleich. Neben dem vielen Holz und den Pflanzen auf den Tischen sticht vor allem die Sitzecke mit Sofa und Sesseln ins Auge. Auch das Bücherregal dahinter fällt auf. „Ich liebe alte, abgegriffene Bücher“, sagt Ehrhardt. „Leute sollen herkommen, sich ein Buch nehmen. Lesen. Tauschen“, führt der Barchef am Ende eines Gesprächs aus, das sich doch vor allem um Umwelt, Plastik und CO2-Bilanzen gedreht hat.

Denn wer sich mit Ehrhardt unterhält, der merkt schnell, dass er mit seiner Idee, eine klimaneutrale Bar zu eröffnen, nicht nur einfach auf einen dem Zeitgeist entsprechenden Zug aufgesprungen ist. Ehrhardt ist authentisch. Er steht zu seinem Ziel, klimaneutral arbeiten zu wollen. Ob aus reinem Idealismus oder nicht – enthusiastisch und mit ansteckender Begeisterung spricht der seit drei Jahren vegan lebende Medieninformatiker über den Umweltschutz, der in seinem Betrieb so intensiv betrieben wird. „Wir verkaufen fast nur regionale Produkte, die ich selbst mit einem Elektroauto vom Händler abhole.“ Nur das Mineralwasser, schränkt er ein, „das kommt aus der Nähe von Hamburg“. Doch der Hersteller verpflichte sich, auf dem Etikett für jeden nachlesbar, dem Umweltschutz. „Auch wir investieren für unvermeidlich anfallendes CO2 in Klimaschutzprojekte, um unsere Bilanz neutral zu halten.“ CO2 falle auch bei Ehrhardt etwa dann an, wenn er die Cola einer umweltfreundlichen Marke besorgt. „Bis die bei uns ist, wird trotzdem CO2 auf dem Weg freigesetzt“, das lasse sich nicht vermeiden. „Ich kann die Cola nicht selbst produzieren.“ 

Nach seinem Medieninformatikstudium war der 36-jährige Mannheimer zunächst in der Filmindustrie tätig und dort unter anderem auch am Set von Tatortdrehs. 2010 führte ihn sein Beruf zurück in den Jungbusch, wo er auch aufgewachsen ist und nun der Film „Der Brand“ gedreht wurde. Christian Ehrhardt beschloss in dieser Zeit im Mannheimer Kneipenviertel selbst eine Bar zu eröffnen, nachdem er bereits während seines Studiums in Furtwangen in der Gastronomie gearbeitet hatte.

Strohhalme aus Glas oder Metall statt aus Plastik

Bei all dem Umweltschutz verwundert es nicht, dass Ehrhardt und sein Team auch versuchen, jegliches Plastik umzugehen. Kunden erhalten deshalb keine Röhrchen aus Plastik, sondern aus Glas oder – am Abend, „wenn schon etwas mehr Alkohol fließt“ – Metall. Dekorative Früchte in Cocktails sucht man weitgehend vergeblich. „Aktuell gibt es nur im Gin Basil Smash einen Basilikumhalm. Der gehört eben dazu und kann nicht als Deko bezeichnet werden.“ Auf Limetten verzichtet Ehrhardt dagegen so gut es geht. „Die kommen von Mexiko aus mit einem Frachtschiff nach Deutschland.“ Viel zu viel CO2 werde da freigesetzt. „Die regionale Zitrone tut es oft genauso und verändert den Geschmack kaum.“

Seit Anfang Juni sind das „Café Schön“ und die „Klarbar“ nun geöffnet. Das bisherige Feedback von Kunden und Kollegen falle positiv aus, bilanziert Ehrhardt. Andere Barbesitzer aus dem Jungbusch hätten sich bei ihm bereits über „plastikfreie Verpackungen“ informiert. „Ich denke, dass wir schon einen Denkanstoß in der Branche geleistet haben.“