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Zwischen Handwerk und Kunst

Archivartikel

Eigentlich wollte Pat studieren. Doch seine große Leidenschaft und das Interesse für das Tätowieren ließen ihn seine Pläne ändern. Er fängt an, ohne jegliche grafische Ausbildung, sich das Handwerk anzueignen und arbeitet in einem Studio in Heidelberg. Und wie es der Zufall so will, ergibt sich mit der Zeit die Gelegenheit, mit einem Freund ein eigenes Tattoo-Studio zu eröffnen; direkt in dem Haus, in dem er in Mannheim wohnt. So eröffnet er mit diesem Freund das Studio in den H-Quadraten. Das war 2014. Inzwischen heißt die Tätowierstube Golden Days und gehört Pat alleine. Zu seinem Team gehören Johanna und Tamina, die sich bei ihrem Kommunikationsdesign Studium kennen gelernt haben. „Ich habe jemanden gesucht, der mich beim Tätowieren unterstützt und Tipps gibtund bin so schließlich bei Pat gelandet“ erzählt Tamina.

5-jähriges Jubiläum

Den Chef raushängen lassen, tut Pat nur ungern. „Wir sind ein kleines Team und jeden Tag zusammen. Daher entscheiden wir auch fast alles zusammen“. So auch, was zum 5-Jährigen Jubiläum des Studios Ende November gemacht wird. „Wir werden wahrscheinlich einen Walk-In mit von uns vorbereiteten Motiven für den kleinen Geldbeutel anbieten und ein bisschen was zu Essen und Trinken.“ Alles ganz entspannt. So wie die gesamte Stimmung, die im Studio vermittelt wird. Es gibt eine gemütliche Einrichtung mit bequemen Sitzmöglichkeiten, der Wartebereich gleicht einer Galerie mit gerahmten Werken der drei Tätowierer. Über der Anmeldung baumelt noch die Girlande des letzten Events und auch die Ausstrahlung der drei sorgt für eine ruhige Atmosphäre. „Wir sind alle sehr ruhige Charaktere“, meint Pat. „Ich glaube, das überträgt sich auch auf die Kunden und nimmt die Aufregung vor dem Tätowieren.“

Vorlieben und Können

Die Stile und Motive, die sie tätowieren, sind ähnlich, aber dennoch unterschiedlich. Die beiden Mädels haben sich auf Black Work und Dot Work spezialisiert, während Pat’s Stil sich eher auf Mandalas und (Neo) Traditional konzentriert. „Klar tätowiert und zeichnet man lieber Motive, die einem persönlich gut gefallen“, sagt Johanna. Aber der Stil sei nicht nur abhängig von den eigenen Vorlieben, sondern natürlich auch vom eigenen Können. „Ich habe immer versucht, dem Stil nachzueifern, der mir persönlich gefällt, habe das aber nicht so umgesetzt bekommen. Mit der Zeit habe ich meinen eigenen Stil gefunden“, erklärt Tamina. Seinen eigenen Stil finden, zeichnen, umsetzen und auf die Haut bringen.

Ehrlichkeit bei Beratung

Ist Tätowieren also Kunst? „Tätowieren an sich ist für mich ein Handwerk“, beginnt Tamina. „Das Motiv anzufertigen und das richtige Auge zu haben für die Stelle und dass es zum Kunde passt, das ist schon eher Kunst.“ Dass jemand dieses Stück Körperkunst dann sein ganzes Leben auf seinem Körper trägt, sei für Tamina eine „Riesenehre“. „Häufig habe ich das Gefühl, den Kunden selbst ist das gar nicht so bewusst. Sie haben ihr Tattoo bekommen. Für mich bedeutet das, dass sie ein Stück von mir für immer tragen werden.“ „Man muss auch einfach das Gespür haben und zwischen Motiven unterscheiden, die einfach von Grund auf nicht funktionieren und welchen, die einfach von der Motivauswahl nicht ganz so schlau gewählt sind, wie der Name seiner neuen Freundin“, ergänzt Pat. Ehrlich sein und beratend argumentieren – das ist den Dreien vom Golden Days besonders wichtig. „Schließlich ist das fertigeTattoo auch eine Art Reputation fürs Studio, die da draußen rumläuft“, verdeutlicht Pat.

Das beste Ergebnis sei natürlich, wenn Kunde und Tätowierer zufrieden sind. So lassen die drei auch gerne mal gemeinsam den Arbeitstag ausklingen. Häufig landen sie zum Essen bei ihren Nachbarn Maloik oder im Vienna. „Wir sollten auch mal wieder einen Zeichenabend machen“, schlägt Pat vor und stößt auf Zuspruch.