ILMA - Ich liebe Mannheim

Zwischen Milchkaffee, Goldschmiede und Antiquitäten: Patina

Wer das Wort „Familienbetrieb“ hört, denkt vermutlich erstmal an alte Handwerksbetriebe, in denen seit Jahren Eltern und Kinder Hand in Hand Brötchen backen, Gäste bewirten oder Wein keltern. An eine Tradition, in die die Kinder reingeboren werden und für die sie sich nicht immer freiwillig entscheiden. Ganz anders ist es für die 23-jährige Anna. Gemeinsam mit ihrer Mutter Monika hat sie den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und gegründet: Patina – eine Mischung aus Goldschmiede, Café und Antiquitätenladen.

„Ich könnte es mir mit niemand anderem vorstellen“, sagt Anna. „Wir verstehen uns blind, es läuft einfach.“ Sie sitzt mit ihrer Mutter auf dem restaurierten Antiksofa in der Mitte des Cafés am Luisenring. Gut anderthalb Jahre ist es her, dass die beiden Frauen gemeinsam den Entschluss gefasst haben, den alten Trödelladen, in dem Raritäten wie auch Plunder bis zur Decke gelagert waren, zu übernehmen und daraus ihr Geschäft zu machen.

Mutter Goldschmiedin, Tochter Gastronomin

„Ich wollte mich schon länger selbstständig machen“, erzählt Monika, die ausgebildete Goldschmiedin ist. Als sie früher noch angestellt gearbeitet hat, habe es ihr oft gefehlt, Schmuckstücke nach ihrer Vorstellungen zu gestalten statt nach denen der Kunden. „Jetzt kann  ich herstellen, was ich möchte.“ Auch die „Schwellenangst“ vieler Menschen, einfach mal in Schmuckgeschäft reinzuschauen, habe sie oft bedauert. In ihrem neuen Concept Store mit Kaffeetheke soll das anders: Durch die Möglichkeit, auf einen schnellen Kaffee reinzukommen, will sie auch Kunden ansprechen, die keinen Juwelier besuchen würden.  

Für den Cafébereich ist Tochter Anna zuständig. Ihre Ausbildung in der Gastronomie hat sie genutzt, um auf der einen Seite des hellen Raums ein kleines Café einzurichten, in dem es Kaffee und kleine Snacks wie Sandwiches, Quiche oder süße Teile gibt.

Retrolampen, restaurierte Möbel und Dekogegenstände

Neben der klaren Aufgabenteilung in den Bereichen Café und Werkstatt verbindet das Mutter-Tochter-Duo eins: Die Liebe zu schönen Antiquitäten. „Man kann sich nicht vorstellen, was man alles im Sperrmüll finden“, schwärmt Anna. Viele der alten Schätze haben sie aufgearbeitet oder sogar restauriert. Die bunte Sammlung an Möbeln sind nun Mobiliar und Ware zugleich: Wem beim Kaffeetrinken der eigene Stuhl gut gefällt – der kann ihn einfach kaufen und mitnehmen.

Das Interesse an Vintage-Möbeln und Nachhaltigkeit haben Anna und Monika auch bei ihrem Soft-opening im Frühsommer gespürt. „Wir hatten viele Studenten hier, die gerade nichts von IKEA wollen, sondern lieber Einzelstücke, und die großen Wert auf Nachhaltigkeit legen“, erzählt Monika.  Das Alte schätzen, dem man auch gerne seine Gebrauchspuren ansehen darf, und mit Neuem verbinden: Diesen Leitgedanke wollen die beiden Frauen im Patina leben – schließlich war die Bezeichnung für die dünne Schicht, die sich auf alten Gegenständen bildet und ihnen Charakter verleiht, namensgebend für ihr Unternehmen.

In ihrem Concept Store wollen Monika und Anna künftig auch Veranstaltungen und kleine Ausstellungen organisieren – und nach den langen Arbeiten endlich ankommen. „Es soll so sein, dass ich mich wohlfühle, auch wenn wir bestimmt nicht damit reich werden. Aber darum geht es mir auch nicht, sondern um ein schönes Leben.“