Neue Alben

Alte Magie aufs Neue beschworen

NEW Jazz: Joshua Redman huldigt auf „Still Dreaming“ der Musik seiner Vaters

Der Mann hat gute Gene. Jazzfans wissen, dass Joshua Redmans Vater Dewey Redman (1931-2006) einer der großen Tenorsaxofonisten des Free Jazz gewesen ist. Ein ideensprühender, überraschender Improvisator, der bei Ornette Coleman und Keith Jarrett zu Ruhm gelangte. Mit Don Cherry, Charlie Haden und Ed Blackwell formierte er in den 1970ern das Quartett Old And New Dreams, das drei grandiose Alben veröffentlichte.

Beseelte Musik

Dieser Band, die in Ornette Colemans Tradition einer harmonisch freien, melodisch orientierten Interaktion musizierte, huldigt nun Joshua Redman – und legt mit „Still Dreaming“ das beste Album seiner Karriere vor. So swingend, beseelt, bluesgetränkt und inspiriert hat er noch auf keiner seiner Platten geklungen.

Mit Ron Miles (Trompete), Scott Colley (Bass) und Brian Blade (Schlagzeug) bringt Redman das Kunststück fertig, den Geist von Old And New Dreams neu zu beschwören – nicht als Kopie, sondern als eigenständiges Original. Die Vier nutzen die musikalische Grammatik ihrer Vorbilder, um Geschichten mit neuem Vokabular zu erzählen. Ihre Hommage klingt weniger anarchisch und archaisch als die Altvorderen, dafür kultiviert und verfeinert.

Die Musik lebt von prickelndem melodischem Austausch, elektrisierenden Ruf- und Antwort-Passagen, treibendem Swing und überschäumender Spielfreude. Wie sich Redman und Miles die Motiv-Bälle zuwerfen, wie Colley und Blade flink reagieren – das macht mächtig Spaß. Und Stücke wie „Unanimity“ mit seinem witzigen Morsezeichen-Thema oder „Haze And Aspirations“, bei der sich Saxofon und Trompete innig aneinanderschmiegen, sind einfach wunderbar. (Nonesuch/Warner) gespi

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Unsere Note: 5 Sterne von 6 Sternen (Megamäßig)

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)