Neue Alben

Pop: Die US-Popikone interpretiert auf „Dancing Queen“ die zehn größten Hits des schwedischen Quartetts

Cher nimmt es mit Abba auf

Es war wie so oft in der Musikgeschichte: Als Abba ab Mitte der 70er Jahre die Radiokanäle dominierten wie heute Ed Sheeran, galt die Musik der schwedischen Hitfabrik irgendwann als belangloses Fließbandgedudel. Was das für gut gemachte, zeitlos funktionierende Popmusik war, fiel vielen erst lange nach ihrer konsequent durchgezogenen Trennung 1982 auf – spätestens durch den Film-Hit „Mamma Mia!“ (2008), auf der Basis des gleichnamigen Erfolgs-Musicals.

So ging es auch US-Popikone Cher, die lange kein wirklicher Abba-Fan war. Aber nachdem sie im Nachfolgefilm „Mamma Mia! Here We Go Again“ (2018) mitgewirkt und -gesungen hatte, wollte sie unbedingt ein Album mit den Hits des Quartetts aufnehmen. „Wobei ich mir vorher nicht vorgestellt hatte, wie schwer die Lieder zu singen sind“, bekennt die 72-Jährige. Aber der Erfolg des gerade erschienenen „Dancing Queen“ ist schon deshalb unausweichlich, weil es bei der Zielgruppe nicht nur altersmäßig große Überschneidungen gibt.

Und Cher hat das Projekt mit aller Konsequenz angepackt. Das beginnt dabei, dass sie für „Dancing Queen“ die zehn Abba-Hits ausgewählt hat, auf die sich die meisten einigen können. Auch mit dem Produktionsteam, dass die Sängerin um sich geschart hat, geht sie absolut auf Nummer sicher: Sie hat nicht nur die leibhaftigen musikalischen Abba-Köpfe Benny Andersson und Björn Ulvaeus ins Boot geholt. Mit der Musical-Macherin Judy Craymer und Dance-Pop-Produzent Mark Taylor (Lady Gaga, Nelly Furtado, Britney Spears, Kylie Minogue) sind alle weiteren wichtigen Perspektiven vertreten.

Lange nah an den Originalen

Außerdem geht die Platte zunächst recht behutsam mit dem Originalmaterial um: Die ersten Nummern „Dancing Queen“ und „Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight“) bleiben sehr nah an den Originalarrangements, lassen keinen der Abba-typischen Soundeffekte weg und fügen außer der dunkleren Stimme Chers wenig dazu. Allerdings werden die nicht gerade hypermodernen Beats von Song zu Song mehr angefettet, bis sie gegen Ende auch das Helene-Fischer-Publikum ansprechen dürften, und „One Of Us“ ein etwas verkitschtes Finale liefert. Dass Cher es mit gleich zwei prägnanten Sängerinnen wie Agnetha Fältskog und Anni-Frid „Frida“ Lyngstad aufnehmen muss, ist bis auf die fehlenden Chorsätze kein Problem: Das kriegt sie routiniert hin, der gelegentlich hörbare Einsatz von Stimm-Software wäre eigentlich nicht nötig gewesen.

Apropos nötig: Das sind Coverversionen eigentlich nur, wenn sie besser, anders oder zumindest zeitgemäßer als die Originale sind. Das kann man über dieses Album zwar wirklich nicht behaupten, trotzdem funktioniert es zumindest als Abba-Party-Mix. (Warner)

Unsere Note: ★ ★ ★ (Mittelmäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)