Neue Alben

Deutschlands singender Lieblingsire

Archivartikel

Pop: Rea Garveys viertes Soloalbum „Neon“ überrascht mit Hip-Hop-Namen, liefert aber vor allem gängigen Deutschpop-Sound

Rea Garvey hat nach 20 Jahren in Deutschland Chris de Burgh als singenden Lieblingsiren der Nation abgelöst. Das verdankt sich nicht nur seiner Tätigkeit als sprachlich „un-fucking-fassbar“ kreativer Langzeit-Juror bei „The Voice Of Germany“. Sondern vor allem konstant starker Livearbeit auf allen Bühnen der Republik. Dass er schon zu Zeiten mit der Konstanzer Band Reamonn ein Händchen für Hits hatte, kommt dazu, so dass ihm die ersten beiden Soloplatten Platin für über 200 000 verkaufte Exemplare einbrachten.

Kritiker fanden seinen Sound dabei oft zu glatt. Was sich mit der auch inhaltlich starken Platte „Prisma“ (2015) merklich änderte. Anerkennen muss man auch, dass sich der 44-Jährige jetzt nach ungewohnt langer Studiopause auf „Neon“ produktionstechnisch wieder auf neue Wege wagt. Dass ein irischer Rock-Songwriter beim Gros seiner Nummern mit einem auf Straßenrapper Marke Haftbefehl, Gzuz & Bonez MC, Kurdo, Azad oder Kollegah spezialisierten Produzenten wie Abaz zusammenarbeitet, ist im Prinzip spektakulär.

De facto hört man das „Neon“ nur in Details an. Am offensichtlichsten bei der Single „Is It Love?“, zu der Abaz-Kumpel Kool Savas eine starke Strophe beisteuert. Die oft programmiert klingenden Beats und manche elektronischen Elemente sind ungewohnt, sorgen aber für Vielfalt. So startet zum Beispiel „Kiss Me“ mit Everlast-Anmutung in der Strophe, um mit dem Refrain Richtung Großraum-House-Disko zu rauschen. Die etwas andere Rhythmik rückt Garvey oft ein Stück weit Richtung Sprechgesang. Als Nebenwirkung erinnert das alles stark an das jüngste Werk des von Haus aus Hip-Hop-affinen Songwriter-Weltstars Ed Sheeran. Ohne an dessen „un-fucking-fassbare“ Hit-Frequenz heranzukommen. Das gelingt Garvey allenfalls bei seinen etwas organischer produzierten Balladen.

Die Popsongs klingen dagegen oft etwas grell (grüßt da der Albumtitel „Neon“?) – und trotz Abaz oft zu stark nach der deutschen Songwriter-Armada und ihrer unseligen Vorliebe für „HoHoHos“ und „Heyheyheys“. (Island/Universal) jpk

Unsere Note: 3 Sterne von 6 Sternen (Mittelmäßig)

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)