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Diesmal nicht so Fettes Brot

Archivartikel

Deutsch-Rap: Das neunte Studioalbum des norddeutschen Hip-Hop-Trios ist nicht für jeden eine „Lovestory“

Manche Bands funktionieren irgendwann vor allem über Sympathie und Nostalgie. Das sichert den drei netten Nordlichtern von Fettes Brot ein so großes Livepublikum, dass sie bis heute sehr opulente Konzerte auf die Beine stellen können. Dass ihre Hits das Feiern einer Generation geprägt haben, ist bei Licht betrachtet, gut eine Generation her. Und „Lovestory”, eine Art Konzeptalbum zum Thema Liebe, ist definitiv nicht fett genug, um für neue Einträge im Kanon der Deutsch-Rap-Klassiker zu sorgen.

Starker Beginn, aber dann

Musikalisch hat natürlich fast alles Hand und Fuß, vor allem, wenn ein fast jazziges Piano zu Beginn der Platte für den Groove sorgt. Dementsprechend ragt der selbstironische Opener „Ich liebe mich“ heraus. Diese organischen Grundelemente lassen verschmerzen, dass viele der Stimm- und Electro-Effekte gerade noch als halbmodern durchgehen.

Schwerer wiegt die weitgehende inhaltliche Belanglosigkeit, die zu Mittvierzigern nicht recht passen will („Wetterfrau“, „Denxu?“, Robot Girl“, Geile Biester“). Denn ob das Leben altgedienter Brote-Fans wie eine einzige Ü-40-Party läuft, darf man inzwischen bezweifeln. Immerhin: „iKEA” ist ein hübscher Text mit amüsanter Bildlichkeit. Sonst zündet nur der witzig-selbstreflexive Text zu „Deine Mama“ halbwegs.

Lediglich die nette Regenbogennummer „Opa + Opa“ und „Du driftest nach rechts” bedienen die Politquote – und das nicht ungeschickt, indem sie gesellschaftliche Spaltung auf die Beziehungsebene herunterzoomen. Aber „Happy”-Funksound will dazu nicht wirklich passen. Noch wesentlich schlimmer: „Klapse”. Zeilen wie „Weil sie ist in der Klap-Klap-Klap-Klapse / Klap-Klap-Klap-Klapse, Klap-Klap-Klap-Klapse / Meine Freundin ist verrückt“ zu einem klassischen Hände-hoch-Ranschmeisser? Völlig daneben.

Das wäre auf „Außen Top Hits, innen Geschmack“ (1996) undenkbar gewesen. Gemessen an den jüngsten Platten ihrer Referenzbands Die Fantastischen Vier oder Beginner ist „Lovestory“ so gerade noch Durchschnitt. (Groove Attack) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★

 

(Mittelmäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)