Neue Alben

Endlich wieder mit normaler Stimme

Archivartikel

Pop: Auf „Hurts 2B Human“ klingt Pinks Gesang ungekünstelt großartig und veredelt so ihr achtes Studioalbum

Man möchte auf die Knie sinken und aus Dankbarkeit dem Pop-Olymp ein paar Kopien von Stimmsoftware wie Autotunes als Feueropfer darbieten: Nach langen Jahren, in denen sich ihre Produzenten die größte Mühe gaben, diese markante Stimme möglichst glatt, quietschig und austauschbar klingen zu lassen, hört sich Pink endlich wieder an wie – nun ja: Pink! So wie man sie live zum Beispiel von großartigen Konzerten in der SAP Arena 2006 oder bei Arena Of Pop 2007 in der Mannheimer Innenstadt kennt. Das heißt, auch mal rau, eindringlich und emotional.

Das bringt die 13 neuen Songs auf „Hurts 2B Human“ zum Glänzen, auch wenn sie selten weit über perfektes Handwerk und Pinks altbekannte Themen hinausgehen. Übersetzt heißt der Titel: Es schmerzt, ein Mensch zu sein – ein roter Faden, der sich seit bald 20 Jahren durch Leben und Werk des bald 40-Jährigen Weltstars zieht.

Mit dem von Imagine-Dragons-Frontmann Day Reynolds mitverfassten „Hustle“ springt das Album schnell, hart und rockig aus den Startlöchern – der 2003er Hit „Trouble“ lässt grüßen. „(Hey Why) Miss You Sometime“ ist gutes Tanzflächenfutter – und ja, mit einer teilweise digital verfremdeten Stimme. Was bei dezenter Dancehall-Stimmung aber auch Sinn macht.

Die Stil- und Stimmungswechsel sind rasant – manchmal klingt der Country-Fan Pink durch, herausragend sind die zweistimmigen Singer-Songwriter-Duette „90 Days“ mit Wrabel und „Love Me Anyway“ an der Seite Chris Stapletons. Im Kontext erschreckt dann auch der DJ-Pop in „Can We Pretend“ (mit dem Electro-Duo Cash Cash und Ryan Tedder von One Direction) nicht, in den Pink eine dezente Trump-Kritik einbaut. Mit „Courage“ oder „We Could Have It All“ (Mitautor: Beck) folgen Pop- und Rockhymnen. „Happy“ ist eine halbakustisch startende, eindringliche Selbstreflexion. So verdient sich P!NK das umgedrehte Ausrufezeichen im Künstlernamen wieder – auch wenn das ganz junge Publikum mit Erwachsenen-Balladen wie „Circle Game“ oder dem intimen „The Last Song Of Your Life“ nicht sofort warm wird. (RCA/Sony) jpk