Neue Alben

„Es bleibt tumultig, aber machbar“

Deutschrock: Herbert Grönemeyers „Tumult Clubkonzert Berlin“ ist mehr als nur ein Vorgeschmack auf die Tourneen

„Tumult“ ist Herbert Grönemeyers elftes Nummer-eins-Album in Serie seit 1984 – und eines seiner stärksten. Weil der 62-Jährige darauf dezent, aber bestimmt eine musikalisch-poetische Leitplanke in lautstark erregten Zeiten liefert. Und das nicht nur in Liebesdingen, sondern mit bedingungslosem Humanismus auch gegen die phonstarke Intoleranz im Land. Zu den wenigen Mitteln, die ein Grönemeyer aufwendet, um die Werbetrommel für dieses Werk zu rühren, gehörte ein winziges Clubkonzert im Berliner Radialsystem V am Spreeufer.

Nach der Veröffentlichung am 9. November 2018 lief die intime Show vor glückseligem Publikum zeitnah bei 3sat und erscheint jetzt mit dem Titel „Tumult Clubkonzert Berlin“ als Live-CD. Da mit Hannes Rossacher eine Ikone des Musikfernsehens Regie führte, lohnt sich die Anschaffung einer Kombination mit DVD beziehungsweise Blu-ray-Disc (die drei Titel mehr enthalten als die CD).

Der gute Sound ist zwangsläufig bodenständiger als Alex Silvas teilweise postmoderne Studioproduktion. Trotzdem halten die neuen Nummern mit den sparsam eingestreuten Klassikern mit. Viel besser zur Geltung kommen hier die vor Urzeiten in der Kurpfalz rekrutierten Grönemeyer-Musiker: Bassist Norbert Hamm und Schlagzeuger Armin Rühl sorgen für passende Rhythmen, ob mit dem Dampfhammer oder so einfühlsam, wie sich der Mannheimer Keyboarder Alfred Kritzer zu Beginn im Hit „Sekundenglück“ einführt. Gitarrist Stephan Zobeley liefert mit dem furiosen Solo am Schluss von „Alkohol“ einen der Höhepunkte dieses Live-Albums, bei dem wie schon auf der Studioplatte auch der Berliner Kneipenchor starke Akzente setzt.

So ist weit mehr entstanden als ein Vorgeschmack auf die laufende Arena- und die kommende Stadion-Tour im Herbst: Eine Art kammermusikalischer Zwischenschritt zwischen Studio-Laborkunst und dem wuchtigeren, hitlastigeren Programm für die großen Bühnen – mit einem famos singenden Hauptdarsteller, der am Ende zur Lage der Nation unaufgeregt klar stellt: „Es bleibt tumultig, aber machbar.“ (Vertigo) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)