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Extreme Emotionen

Jazz: Melody Gardots „Live in Europe“ sprüht nur so vor Inspiration

Nicht nur wegen des viel diskutierten Nackt-Covers knistert es gewaltig auf Melody Gardots Doppelalbum „Live in Europe“. Auf zwei CDs respektive drei LPs belegt die Dokumentation mit Aufnahmen aus den Jahren 2012 bis 2015 äußerst atmosphärisch den ganz besonderen Rapport zwischen dem Publikum und der hochsensiblen Sängerin, Gitarristin und Pianistin.

CD 1 beleuchtet mit meist intimen Balladen Gardots melancholisch-fragile Seite. Zeitlupen-Songs wie „Our Love Is Easy“ oder „Baby I’m A Fool“ zelebriert sie theatralisch wie eine Chanson-Diseuse. Sanfte Bossa-Nova-Klänge geben dagegen in „Lisboa“ und „So Long“ den Ton an. Dazwischen sorgt Saxofonist Irwin Hall im dramatischen Jazz-Epos „The Rain“ für kraftvolle John-Coltrane-Reminiszenzen.

Auf CD 2 zeigt Gardot ihre expressiv-extrovertierte Seite. „Les étoiles“ ist ein flottes Neo-Swing-Stück. Im „March For Mingus“ begeistert die Sängerin als Blues-Shouterin zu kreischendem Saxofon; Hall bläst hier im Stil von Roland Kirk zwei Hörner simultan. „Bad News“ und „Who Will Comfort Me“ beschwören mit dreckigen Gitarren-Riffs und greller Growl-Trompete Assoziationen an Tom Waits’ Cabaret-Songs. Aber Gardot muss sich nicht vergleichen lassen. Sie ist einzigartig. (Universal) 

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★ (Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)