Neue Alben

Punkrock

Frischzellenkur für Rise Against

„The Ghost Note Symphonies“ bietet zehn ältere Stücke in teilweise interessanten Neufassungen

Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren. Auf ihrer vergangenen Hallen-Tour durch Deutschland wirkten Rise Against, die im Mainstream angekommenen politischen Punkrocker aus den USA, ein wenig ausgelaugt. Die Headliner-Konzerte dauerten kaum länger als 75 Minuten, was nicht weniger als eine Frechheit ist. Den Shows zur grundsätzlich druckvollen 2017er-Platte „Wolves“ fehlte generell ein wenig die Frische und Begeisterungsfähigkeit alter Tage. Alles wirkte ein bisschen zu routiniert und professionell runtergespielt.

Akustisches Fan-Bonbon

Eine kleine Frischzellenkur tut Rise Against also ganz offensichtlich gut. Für „The Ghost Note Symphonies“ stellten die Chicagoer die elektrischen Klampfen ausnahmsweise in die Ecke und verpassten insgesamt zehn Stücken aus dem Bandrepertoire einen neuen Anstrich. Herausgekommen ist weniger ein klassisches „Unplugged“-Album, wie es zuletzt die schottischen Rock-Kollegen von Biffy Clyro einspielten, sondern vielmehr ein akustisches Bonbon für treue Fans und deren Sammlung.

Da liegt es in der Natur der Sache, dass nicht jede Idee hundertprozentig funktioniert. Die vier umarrangierten Stücke der letzten Platte „Wolves“ („House On Fire“, „Far From Perfect“, „The Violence“ und „Miracle) wirken nett und werden von Tim McIllraths leidender Stimme auch hübsch getragen, sind aber unter dem Strich eher belanglos.

Bis hin zur Ukulele

Spannender wird es bei einigen älteren Songs, wie dem ein wenig in Vergessenheit geratenen „Like The Angel“ vom Fat-Wreck-Album „Revolutions Per Minute“, das in akustischer Fassung mit Streichern einen wunderschönen Touch bekommt. Auch die dezente Piano-Version von „Voices Off Camera“ (2003) legt die Essenz des Songs frei, der Rise-Against-Hit „Savior“ bleibt eine unwiderstehliche Hymne. Für die Treuesten der Treuen wurde zudem das kultige „Faint Resemblance“ vom 2001er-Debüt neu eingespielt – an eine Ukulele haben sich vorher auch noch nicht so viele Punkbands getraut. (Virgin/Universal)

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ (Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)