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Hommage an Clapton, Beck und Page

Archivartikel

Vinyl–Kritik: US-Gitarrist Joe Bonamassa huldigt auf glänzend ausgestatteter Dreifach-LP der „British Blues Explosion Live“

Er zieht die Ehrerbietung durch bis auf die Vinyl-Rille: Die drei Scheiben des fantastisch ausgestatteten Albums „British Blues Explosion Live“ sind selbstverständlich in Rot, Blau und Weiß gepresst, den Farben der britischen Flagge Union Jack. Und das Cover mit sehr detailliertem Innenleben ist eine regelrechte Augenattacke voller Hippie-Farben und im Stil eines LSD-Trips. Wobei der Künstlername „Joe Bonamassa“ gealtert und abgegriffen gedruckt ist, als ob dieses Werk schon seit Jahrzehnten neben den Platten seiner Idole im Regal stünde: Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page.

Diese drei Gitarrenlegenden verbindet nicht nur eine Vergangenheit bei den Yardbirds. Sie sind auch Hauptvertreter eines Musikbooms, der in England Ende der 50er Jahre zarte Blüten trieb und durch ein legendäres Konzert von Chicago-Blues-Ikone Muddy Waters im Jahr buchstäblich elektrifiziert wurde. Er inspirierte Alexis Korner zur Gründung von Blues Incorporated. Es folgte John Mayall, der wiederum die jungen Rolling Stones anleitete und 1966 das Meisterwerk „Blues Breakers With Eric Clapton“ aufnahm. Hier bedient sich Bonamassa gleich zweimal („Little Girl“, „Double Crossing Time“), genau wie von Jeff Becks „Beck-Ola“ („Spanish Boots“, „Plynth“). Dessen Bolero-Adaption eröffnet dann auch das abwechslungsreiche Werk, das aufzeigt, wie auf der Insel über die E-Gitarre in einem Jahrzehnt aus Blues Boogierock, Psychedelic, Progressive, Hard-Rock und ansatzweise schon Heavy Metal wurde.

Die jüngsten Stücke stammen von Pages Band Led Zeppelin Mitte der 70er (etwa „Boogie With Stu“ oder „Tea For One“) – nur Claptons 1989er-Single „Pretending“ fällt aus dem Zeitrahmen. Bei Bonamassas Live-Interpretationen vom Greenwich Music Time Festival am 7. Juli 2016 beeindruckt wie immer die Leichtigkeit, mit der der Amerikaner die verschiedenen Stile nicht nur adaptiert, sondern mit eigener Wucht oder Finesse versieht. Allein die Kombinationen mancher Songs sind schon lehrreich. Gesanglich fällt er zumindest nicht extrem ab … umwerfend sind ohnehin vor allem die Instrumentalstücke und seine Soli.

Kaum Gassenhauer

Da Bonamassa kaum Gassenhauer aufgreift, ermöglicht er auch musikhistorisch nicht extrem bewanderten Hörern eine aufregende Entdeckungsreise – unterstützt von Recken wie Michael Rhodes (Bass), dem herausragenden Reese Wynans (Keyboards), Anton Fig (Schlagzeug) und Russ Irwin (Rhythmusgitarre). (Mascot) jpk

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Unsere Note: 5 Sterne von 6 Sternen (Megamäßig)