Neue Alben

Krall und Bennett machen’s lupenrein

Archivartikel

Jazz: Die Schöne und die Legende legen mit „Love Is Here To Stay“ ein gut swingendes und wenig überraschendes Album vor

Der Mann hat Glück bei den Frauen. Nachdem Tony Bennett, mittlerweile 92, es vor wenigen Jahren mit Lady Gaga gemacht hat, ist nun eine weitere Schöne dessen dran, was früher einmal Show-Bizz genannt wurde: Diana Krall.

Die eine ist fast schon zur Ikone der Pop-, zumindest zum Star der Jazz-Szene die andere geworden. Wesentlich überraschender war freilich das Album mit Lady Gaga, „Cheek To Cheek“, das mit einer toll aufspielenden Big Band aufgenommen wurde – schon allein, weil Lady Gaga die fast in angriffslustiger Ella-Fitzgerald-Manier vorgetragenen Standards so kaum jemand zugetraut hatte.

Die Scheibe mit Krall ist da – wenn wundert’s – wesentlich konservativer. Zwei Sänger, Mann und Frau, plus Klaviertrio. Krall, die ja vor allem eine bemerkenswerte Pianistin ist und erst spät mit dem Singen begann, das sie jetzt gut beherrscht, singt mit Bennett im Duett, am Klavier führt das Instrumentaltrio Bill Charlap an. Das Album könnte fast aus den 1960ern stammen, so wie Klassiker wie „’S Wonderful“, „Love Is Here To Stay“, „Fascinating Rhythm“ oder „So It Again“ an uns vorüberziehen wie alte Freunde aus dem Plattenregal. Bennetts super coole Phrasierung, seine belegte Stimme, der man ihr Alter freilich deutlich anhört, verstärkt das natürlich noch deutlich.

Aber auch Krall bleibt mit viel Sex-Appeal in ihrem tiefen Alt stilgetreu im alten Swing verhaftet. Etwa in „I Got Rhythm“. Das fängt mit der hineinrutschenden Quinte fast an wie Franz Schuberts „Leiermann“ aus der „Winterreise“, gehört aber zu den besten Titeln auf der Platte. Hier spielt Charlap vielleicht auch das innovativste, weil etwas vertracktere Solo, gefolgt von einem längeren Schlagzeug-Break. Immerhin: erfrischend, überraschend.

Krall hat einen Solo-Song, „But Not For Me“, Bennett hat einen, „Who Cares?“. Alles auf hohem Niveau, auch die Rhythmussektion von Peter und Kenny Washington funktioniert bestens. Das ist alles schon irgendwie sehr gut und reizvoll. Aber am Ende auch ein bisschen langweilig. (Verve) dms