Neue Alben

Rock: Auf „Raise Vibration“ zeigt das Multitalent Kravitz einmal mehr seine Vielseitigkeit, aber ohne große Ohrwürmer

Lenny will wieder Liebe regieren lassen

Archivartikel

Nach für seine Verhältnisse fürchterlichen Platten wie „Circus“ (1995), „5“ (1998) und vor allem „Baptism“ (2004) hat das Retrorock-Multitalent Lenny Kravitz in diesem Jahrhundert fast nur gute Alben mit dezentem politischen Impetus vorgelegt. Zuletzt knüpfte er 2014 mit „Strut“ sogar wieder an seine grandiosen Anfangszeiten an, als er Jimi Hendrix, Led Zeppelin, die Beatles, John Lennon und die Soul-Schmiede Motown musikalisch zu beerben versprach – gleichzeitig. Da kann sein elftes Studioalbum „Raise Vibration“ nicht mithalten.

Dabei zeigt sich der 54-jährige Sänger und Multiinstrumentalist, der im Studio wieder fast alle Instrumente selbst eingespielt hat, vielseitig wie immer. Und durchaus experimentierfreudig: So viel Funk war bei ihm selten zu hören, wobei er sich in „Low“ phasenweise etwas zu tief (und vor allem verspätet) ins kommerzielle Fahrwasser von Pharrell Williams’ 70er-Revival-Funk begibt. Die etwas sperrige, fast avantgardistische Nummer „Who Really Are The Monsters“ ist das Meisterstück des Albums. Es klingt irgendwann, als ob Prince mit den Einstürzenden Neubauten eine verspielte Version „Sympathy For The Devil“ liefert. Und Kravitz wird dabei wie im ravig groovenden „It’s Enough!“ auf politischer Ebene so konkret wie nie, benennt Ross und Reiter bei den globalen Krisen. Aber natürlich gehen seine Lösungsvorschläge nicht über Liebe als Allheilmittel hinaus („Raise Vibration“, ein minimal futuristisch angehauchter Geradeausrocker) – wie auch?

Gegen Ende wird es flacher

Das reduzierte „Johnny Cash“ und das fast Elton-John-hafte „Here To Love“ sind zwei sehr gegensätzliche Balladen direkt hintereinander. Nach dem spannenden „It’s Enough“ flacht das Werk allmählich ab, weil es zu dringend auch noch eingängig sein will. Das gelingt bei „5 More Days ’Till Summer“ noch. Der zwölfte und letzte Song „I’ll Always Be Inside Your Soul“ ist belangloses Easy-Listening. Letztlich fehlen die Songs, die man wieder und wieder hören möchte. (BMG) 

Unsere Note: MITTELMÄSSIG ★ ★ ★ von 6 Sternen 

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)