Neue Alben

Lilly Allen schämt sich nicht

Pop: Auf „No Shame“ gibt sich die Britin ungewohnt persönlich

Mit „Sheezus“ (2014) war Lilly Allen auf dem besten Weg, in der Masse der Pop-Sternchen zu verschwinden. Ob es immer gleich eine persönliche Krise sein muss, um diesen Weg zu verlassen, sei dahingestellt. Aber bei Lilly Allen und ihrem vierten Album „No Shame“ bleibt schlichtweg festzustellen, dass es der 33-Jährigen wohl tatsächlich guttat, sich neu zu sortieren.

Gegen die Traurigkeit

Herausgekommen ist ein Album, das vor allem im Mittelteil mit drei Balladen am Stück das Erlebte zwischen Scheidung, vernachlässigten Kindern und Drogenexzessen verarbeitet. „Ich musste traurige Musik machen, damit ich selbst weniger traurig sein konnte“, beschreibt die Britin das einfache Rezept, das auch bei den fluffigeren Songs wie dem Opener „Come On Then“ durchklingt. „I’m A Bad Mother, I’m a Bad Wife“, werden dort die Hasskommentare auf den sozialen Medien ironisch kommentiert, schämen will sich Allen für nichts.

Oder doch vielleicht ein bisschen für den Vorgänger „Sheezus“? Denn auch die Trennung vom langjährigen Produzenten Greg Kurstin markiert einen hörbaren Schnitt. Statt den Moden hinterherzuhecheln, orientiert sich Lilly Allen nun eher wieder an ihren Anfängen zwischen Reggae und Dancehall („Your Choice“), „Trigger „ oder „Lost My Mind“ haben dennoch Hit-Potenzial. Sicher hat sich Lilly Allen nicht neu erfunden oder plötzlich die Substanz einer Pink – aber die Neujustierung macht sie wieder zu einer deutlich individuelleren Künstlerin in einem hart umkämpften Pop-Segment. (Warner) th

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Unsere Note: 4 Sterne von 6 Sternen (Muntermacher)

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)