Neue Alben

Mal träge, mal laut und rockig

Archivartikel

Progrock: Neues Live-Album von Marillion

Zwei CDs mit mehr als zweieinhalb Stunden Live-Musik – ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis sieht definitiv anders aus. Dabei hätten Marillion die Aufnahme ohne großen Aufwand verlängern können: Sänger Steve Hogarth muss schon laut und deutlich „Enough“ sagen, um das enthusiastische Publikum in der Royal Albert Hall zu stoppen, dass nach „Living In Fear“ ausdauernd den Refrain weitersingt.

Innerhalb kürzester Zeit soll das Konzert im Oktober 2017 ausverkauft gewesen sein. Wer den frenetischen Jubel der Fans zwischen den Songs hört, der glaubt das gern.

Marillion haben in London ihr 2016er-Album „F.E.A.R. (Fuck Everyone And Run“) eingespielt. Das ist auf der ersten CD zu hören, die zweite Scheibe enthält weitere Live-Stücke, veredelt von Streichern, Flöte und Waldhorn.

Dass der größte Hit der Band fehlt („Kayleigh“ aus dem Jahr 1985, damals noch mit Sänger Fish) werden eingefleischte Fans locker verschmerzen. Die Band steht ja auch für etwas anderes: Progrock. Und so mäandern viele der Songs durch fast 20 Minuten Länge. Mal träge nur mit Piano, mal lauter, mal nur instrumental. Das darf, das muss Progrock.

Auch wenn im Intro Vöglein zwitschern, als sei es gerade Frühling geworden: Das Monumentalwerk eignet sich für kalte Herbst- und Wintermonate besser. Dann hat man mehr Muße, um sich intensiv mit Klängen und Texten auseinanderzusetzen. Im Vorbeilaufen auf dem Weg zur Terrasse erschließt sich die Tiefe der Musik nicht. Und ihr Sinn schon gar nicht. (Ear Music) 

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ (Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)