Neue Alben

Neue Nägel im Sarg der Integration

Hip-Hop: Kurdos „11ta Stock Sound 2“

Da es mit den etwas abgemilderten Texten von „Vision“ (2017) nur für Platz acht der Albumcharts reichte, verschärft der Heidelberger Kurdo auf „11ta Stock Sound“ den Ton wieder. Die unverantwortliche „Vom Flüchtling zum Täter“-Rhetorik seiner 2016 auf Rang zwei gecharteten Platte „Verbrecher aus der Wüste“ lässt der Sohn kurdischer Flüchtlinge aus dem Nordirak zwar außen vor. Aber schon im „Intro“ wedelt er mit dem 11. September und bettelt um Besuch vom Staatsschutz: „Es geht boom, ich bin wieder in den Charts / Und alle zittern, als hätt’ ich ein Attentat geplant.“

„Ich rappe nicht aus Spaß“

„Ich rappe nicht aus Spaß“ ist die Parole. Nur Papa, Mama, die „Bras“ und Statussymbole sind wichtig. Typisches Gangster-Rap-Latein in „4 Blocks“-Manier. Garniert mit Missachtung staatlicher Autoritäten wie Schule oder Polizei und expliziter Negation der Vorbildfunktion, die der 30-Jährige zwangsläufig für Jungs mit ähnlicher Biografie hat. Klar, wer sein Karma nur an Scheinen in der Designer-Bauchtasche und dem Wohlergehen der Familie bemisst, hat kein Problem, wenn seine Texte den direkten Weg ins Gefängnis weisen – verbales Monopoly, bei dem es nur um Geld geht. In der Zelle kann man dann ja weinerliche Lieder für die Liebste schreiben („G für Sie 2“). Ähnlich albern: die Abrechnung mit Klassenkameraden in „11 K“, den Gruß an Nicole von der Lupinenstraße („Emmertsgrund“) und die Anrufung von Liverpools Fußball-Pharao Mahamed Salah als Ghetto-Kollegen.

Was dabei schade ist: Kurdos Entwicklung zu einem Rapper mit Punch und seltenem Gespür für Pausen wird von seinen kurzsichtigen, kruden Inhalten überschattet. Genau wie die vergleichsweise spannende Mixtur aus einfachen, aber zwingenden Beats mit orientalischen Stilelementen aus der Erfolgswerkstatt von Zinobeatz. Vereinzelt („Einfache Jungs“) scheint Kurdos Potenzial als Sprachrohr seiner Generation gegen rassistische Benachteiligung und Perspektivlosigkeit auf. Aber leider liefert er viel lieber weitere Nägel für den Sarg der Integration. (Almaz Musiq) jpk

Unsere Note: ★ ★

 

(Mächtig mies) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)