Neue Alben

Hip-Hop: Die befreundeten Rapper Marteria und Casper veröffentlichen das Duo-Album „1982“

Notizen aus Rostock und der Westprovinz

Archivartikel

Keine Angst: Auf „1982“ klingt wirklich nur der vorab bei Sky als Fußballtrailer totgedudelte Refrain von „Champion Sound“ wie eine Mischung aus effektüberladener Linkin-Park-Grütze und überkandidelter Uefa-Hymne. Und im Kontext referenzreicher Strophen funktioniert das auch. Ansonsten erfüllt das Duo-Album der befreundeten Rapper Casper und Marteria die extrem hohen Erwartungen zwangsläufig nicht ganz. Wobei sich bei Vorläufern wie Jay Z/Kanye West (The Throne), Sido/Bushido (23) und Xavier Naidoo/Kool Savas (Xavas) noch stärker gezeigt hat, dass ein neues Ganzes nicht immer mehr ist als die Summe seiner Teile.

Mehr Hip-Hop als Indie-Rock

Die Produktion wird von Marterias Stammklangregisseuren The Krauts dominiert. Popakademiker Markus Ganter, der zuletzt Caspers Sound geprägt hatte, tritt kaum in Erscheinung. Damit klingt das Gros der zehn Songs mehr nach Hip-Hop alter Schule, stellenweise mit Mixtape-Charakter, aber es gibt auch recht breitwandig und stellenweise sehr musikalisch arrangierte Nummern (sehr stark: „1982 (Als Ob’s gestern war)“, „Adrenalin“, „Absturz“ mit Feine Sahne Fischfilets Monchi).

Die Platte lebt extrem von der textlichen Brillanz und dem kongenialen Verständnis dieser beiden großen Geschichtenerzähler, die seit 2009 regelmäßig zusammenarbeiten und mit wenigen Worten ganze Filmszenarien auf die Kopfkino-Leinwand werfen können. Der Titel „1982“ bezeichnet ihr gemeinsames Geburtsjahr, deswegen haben wir es inhaltlich mit einer Mischung aus bittersüßer Nostalgiesause und selbstbewusster Karrierebilanz zu tun. Letzteres steht ihnen zu; immerhin haben diese beiden gemeinsam mit Cro und Kraftklub den Deutschrap vom Aggro-Dumpfbacken-Stigma distanziert. Ersteres ist interessant, weil Ost- und Westperspektive, Rostock und ostwestfälische Provinz aufeinandertreffen und harmonieren. Allerdings: Lieder wie „Omega“ und „Supernova“ verbreiten tatsächlich etwas von der 1980er-Jahre-Langeweile, die darin besprochen wird. (Zwei Bernds tanken Super).

Unsere Note: MUNTERMACHER ★ ★ ★ ★ von 6 Sternen 

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)