Neue Alben

Vinyl-Kritik: Element Of Crime legen schön ausgestattete Doppel-LP und limitierte Songbook-Edition mit Noten vor

Von Schafen, Monstern und Mäusen

Die Fans von Element Of Crime (EOC) haben die Qual der Wahl: Ihr 14. Studioalbum „Schafe, Monster und Mäuse“ veröffentlichen die Berliner Alternative-Chansonniers einmal als schön ausgestattete Doppel-LP, auf der Sven Regeners wie immer großartige Texte sehr gut lesbar auf den beiden Innenhüllen abgedruckt sind. Vor allem für Musiker noch reizvoller dürfte die limitierte Songbook-Edition sein, bei der die (natürlich auch einzeln erhältliche) CD in einem 40-seitigen Hardcover-Büchlein steckt, das neben Fotos die Noten und Texte der zwölf neuen Lieder enthält.

Wem Klang wichtig ist, der sollte zu Vinyl greifen: Das lohnt sich, weil EOC stets dynamisch und differenziert produzieren. Der analoge Klang gibt die verspielten Stil- und Sound-Feinheiten, vor allem vom hochinspirierten Gitarristen Jakob Ilja, transparenter und wärmer wieder. Dass sich bei 56 Minuten Spielzeit auf jeder der vier Seiten nur drei Lieder finden, muss man dafür in Kauf nehmen. Das zerfasert den roten Faden, der dieses durchdacht auf Hörfluss getrimmte Album auszeichnet.

Das wirkt zunächst etwas spröde und monochrom. Die schlechte Laune der Republik spiegelt sich in Regeners oft lakonischem Gesang, der weniger bissig ausfällt als zuletzt. Und in der apokalyptischen Einstiegsballade „Am ersten Tag nach dem Weltuntergang“, die fast in Degenhardt-Manier gelassen, fast erleichtert durch die Katastrophengedanken flaniert. Aber es geht auch munterer zu: Im Titelsong über eine allmählich überwundene Liebe, in dem grandiosen Bluesrocker „Ein Brot und eine Tüte“ (potenzieller Live-Favorit) oder beim Mariachi-Sound von „Immer noch Liebe in mir“.

Ungewohnt: Es gibt auch mal schwächere Nummern wie die Ballade „Bevor ich dich traf“ oder das Duett „Karin, Karin“ mit Regeners Tochter Alexandra. „Gewitter“ oder „Stein, Schere, Papier“ werden von atmosphärisch starker Gitarrenarbeit über den Durchschnitt heben. Die restlichen Songs repräsentieren das Normalniveau der seit 33 Jahren aktiven Endfünfziger – von dem der Großteil der hiesigen Popszene nur träumen kann. (Vertigo)

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ (Muntermacher) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)