Neue Alben

Wiederentdeckungsreise mit Udo

Deutschrock: Spektakuläre Lindenberg-Box „Das Vermächtnis der Nachtigall 1983-1998“

Was Bob Dylan mit seiner „Bootleg Series“ kann, darf Oberdeutschrocker Udo Lindenberg natürlich auch: Eine Woche vor seinem mit Spannung erwarteten zweiten „MTV Unplugged“-Album veröffentlicht der 72-Jährige „Das Vermächtnis der Nachtigall 1983-1998“. Bei Licht betrachtet handelt es sich um die Polydor-Jahre, also die bei Fans eher umstrittene mittlere Karrierephase Lindenbergs. Die begann 83/84 mit den bärenstarken Platten „Odyssee“ (mit „Sonderzug nach Pankow“) und „Götterhämmerung“. Danach wurden die Hits („Horizont“) größer, aber auch gleichförmiger („Ein Herz kann man nicht repariern“) und oft zu nah am flüchtigen Zeitgeist produziert. Die 17 Studioalben dieser Ära werden jetzt in einer spektakulär in Buchform aufgemachten und streng limitierten Box noch einmal ins rechte Licht gerückt.

Und höre da: Manches, was ab Ende der 80er Jahre fast verzweifelt experimentierwütig, gar orientierungslos klang, wirkt heute regelrecht visionär. Platten mit Orchester wie „Belcanto“ (1997) gehören heute zum guten Ton, Schlagerchansons aus der Weimarer Republik neu aufzunehmen („Hermine“, „Gustav“) ist nicht nur bei Max Raabe oder Götz Alsmann chic.

Da die politisch stets hellwachen Texte über jeden Zweifel erhaben sind und wie Zeitdokumente wirken, lohnt sich diese Box für Fans absolut – als Wiederentdeckungsreise. Zwei rare englischsprachige Alben, eine Raritäten-CD und Musikvideos auf einer Bonus-DVD runden ein Paket ab, das man sich genau so auch für die frühen Jahre wünschen würde. (Polydor) jpk

Unsere Note: ★ ★ ★ ★ ★

 

(Megamäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)