Neue Alben

Zu viel Nostalgie, Pathos und Klischee

Pop: Ray Davies, Ex-Chef der britischen Band The Kinks, enttäuscht auf „Our Country: Americana Act 2“

Der Mann ist zweifelsohne eine Pop-Ikone: Ray Davies hat als einer der größten Popsongschreiber aller Zeiten und Kopf der britischen Band The Kinks Musikgeschichte geschrieben. Jetzt, mit 74, lässt er sein Leben in der Wahlheimat USA Revue passieren. Seine neue Platte „Our Country – Americana Act II“ ist einmal mehr ein Konzeptalbum geworden: ein 60-minütiger Reisefilm für die Ohren mit Songs und gesprochenen Texten.

Nicht zum ersten Mal wird ein solches Davies-Opus durch Längen und Schwächen getrübt. Hier sind es gelegentlich pathosbefrachtete Texte, die wie im Titelsong mit Chorschwulst den amerikanischen Freiheitstraum beschwören – leider gänzlich ohne den berühmten Davies’schen Sarkasmus. Dem scheint er hier abgeschworen zu haben. Stattdessen gibt es sehr persönliche Lieder, die in den schwächeren Momenten vor Nostalgie triefen („The Invaders“, „Back To The Day“), mitunter anrührend sind wie „The Big Boys“, die Hommage an seine früheren Leibwächter.

Typischerweise überzeugen die harten Stücke auf diesem Werk, dem etwas Straffung gut getan hätte, etwa die krachende New-Wave-Reminiszenz „The Take“, das Porträt eines Groupies, oder der „March Of The Zombies“, ein Rhythm-’n’-Blues-Fetzer über innere Dämonen. Den stärksten Song hat Davies sich für den Schluss aufgehoben: „Muswell Kills“, eine mit Slide-Gitarre aufgeputschte, aggressive Hasstirade an den Gangster, der ihn 2004 in New Orleans mit einem Schuss fast tödlich verletzt hätte.

Mehr Songs dieses Formats hätten „Our Country“ gut getan. Musikalisch bedient sich Davies (mithilfe der Band The Jayhawks) aus der opulenten Klangpalette US-amerikanischer Popmusik; das reicht von Country über Rockabilly bis hin zu Blues und Doo-Wop. Aber auch hier wäre mehr Beschränkung besser gewesen, vieles klingt zwar kompetent, aber allzu klischeehaft. Kein Vergleich zu Ray Davies’ weitaus besserem Alterswerk „Other People’s Lives“ von 2006, das noch immer hörenswert ist. (Sony Music)

Unsere Note: ★ ★ ★ (Mittelmäßig) von 6 Sternen

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)