Platten-, CD-Kritiken

Nur den Texten geht der Biss verloren

Indie-Pop: Auf „Beautiful People Will Ruin Your Life“ klingen die Wombats inzwischen reif – ohne bräsig zu werden

Es ist wohl einfach der Lauf der Dinge. Selbst Bands wie die Wombats, die mit Songs wie „Let’s Dance To Joy Division“ vor rund elf Jahren noch den ewigen Spaß der Zwanzigjährigen versprachen, werden irgendwann erwachsen. So singt Frontmann und Mastermind Matthew Murphy – inzwischen in Los Angeles heimisch geworden und brav verheiratet – schon von den „Frozen 30 Something“ und das vierte Werk des Manchester-Trios „Beautiful People Will Ruin Your Life“ kann tatsächlich nicht von einer erstaunlich frühen Selbstzurücknahme freigesprochen werden.

Deshalb ist dieses Album aber noch lange kein schlechtes. Vor allem die Tatsache, dass die drei Engländer den Synthie-Einsatz und die unzähligen „Uuuuhs“ und „Aaaahs“ im Vergleich zum Vorgänger „Glitterbug“ (2015) deutlich zurückgefahren haben, macht diese Scheibe wieder zu einem echten Wombats-Album. So werden sich Tracks wie „Cheeta Tongue“, „Black Flamingo“ oder „Lemon To A Knife Fight“ mühelos in die Live-Set-Lists der festivalerprobten Engländer einfinden und gerade letztere Single wird vom etwas raueren Live-Sound sicher zusätzlich profitieren. Hier zeigt sich zudem, dass Wombats-Mastermind Murphy das geniale Händchen für griffige Refrains und Ohrwurm-Hooks irgendwo zwischen klassischem Brit-Pop und Indie-Melancholie trotz allen Reifeprozessen keineswegs abhandengekommen ist. Richtig schade ist nur, dass die Texte nicht mehr so aufhorchen lassen wie zuletzt.

Elf Songs auf hohem Niveau

Der bissige Hintersinn, der britische Humor – das alles scheint den üblichen Beziehungsplattitüden gewichen zu sein, die über das klebrige „Dip You In Honey“ nicht mehr so recht herauskommen. Aber auch wenn wir jetzt mit jemand anderem zu Joy Division tanzen müssen – „Beautiful People“ ist ein Album ohne Ausfälle auf überdurchschnittlichem Niveau, das nicht nur Fans der ersten Stunde jede Menge Spaß machen dürfte. (Rough Trade) th

Unsere Note:

4 Sterne von 6 Sternen (Muntermacher)

(6 Sterne - Musikmythos; 5 Sterne - Megamäßig; 4 Sterne - Muntermacher; 3 Sterne - Mittelmäßig; 2 Sterne - Mächtig mies; 1 Stern - Mama Mia)