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Weltumrundung: Mannheimer Ehepaar bereist mit Fahrrädern und Zelt fünf Kontinente / Abschied vom Globetrotter-Dasein und große Dankbarkeit

Die Satteltaschen voller Abenteuer

Archiv-Artikel vom Samstag, den 29.03.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Christine Maisch-Straub

Geht ganz schön in die Waden: Evelyn in karger Landschaft hinter den Anden.

Traumkulisse: Ankunft in Sarmakand in Usbekistan.

© privat

Tierische Begegnung: Hinter Evelyn im Baum sitzt gut versteckt ein Koalabär.

Evelyns Touren- und Uwes Pedersen-Rad am geografischen Zentrum Argentinien.

Streckenetappen, die an den letzten Kraftreserven zehren, erschreckende Armut und bürokratische Willkür. Aber auch grandiose Landschaftsbilder, die wohl lebenslang im Gedächtnis haften bleiben - und vor allem immer wieder Begegnungen mit Menschen, die zu Freunden wurden: Evelyn Petersen und Uwe Mattern radelten von der Kurpfalz ein Mal um die Welt. Am 1. April 2012 starteten sie zu der 25 000 Kilometer langen Tour mit Fahrrad, Zelt und Kompass (wir berichteten). Jetzt sind sie zurück, die Satteltaschen voller Abenteuer und ungebrochener Reiselust.

Am Anfang stand einst ein gemeinsamer Traum, fast 20 Jahre gehegt. Aber bei zwei Kindern - Jerome ist heute 25 Jahre alt, Gina 30 - und einem fordernden Berufsalltag blieb dazu nie genügend Zeit. Doch vor vier Jahren trauten sich Evelyn und Uwe nicht nur aufs Standesamt, sondern wagten auch die Planung des Megaprojektes. Fünf Kontinente, 30 Länder und alles nur klassisch navigiert: "Keine Handys, nur mit Karte, Kompass und Sonne", wie Uwe versichert. Ein wahrlich abenteuerliches Unternehmen, auf das sich der 51-jährige Sozialarbeiter vom Job-Center-Projekt "Junges Mannheim" und die 50-jährige Krankenschwester aus der Uniklinik Heidelberg eingelassen hatten.

Todesangst um Evelyn

Pedersen-Rad und Tour

Das von Uwe Mattern benutzte Pedersen ist ein 1890 von dem Dänen Mikael Pedersen (1855-1929) entwickeltes Rad, das er 1893 in England patentieren ließ. Pedersen war mit dem Sitzkomfort damaliger Fahrräder nicht zufrieden und entwickelte einen geflochtenen Sattel, der wie eine Hängematte aufgehängt wird. Um den seitlich schwingenden Sattel baute er den Rahmen nur aus Dreiecken. Mit Minimalgewicht erreichte er so eine extrem hohe Stabilität.

Die Globetrotter starteten am 1. April 2012 von der Kurpfalz zu ihrer Tour "Mit Rad und Zelt ein Mal um die Welt". Der 1. Teil der rund 25 000 Kilometer langen Route (15 000 per Rad) verlief an Neckar und Donau entlang bis zum Schwarzen Meer, Bulgarien, Türkei, Georgien, per Fähre übers Kaspische Meer nach Kasachstan. In zwei Jahren bereisten sie auf ihrer Tour Europa, Asien, Australien, Süd- und Nordamerika. Das Tagespensum betrug 60 Kilometer, am siebten Tag war Pause. mai

Ein bisschen leichtsinnig? Ganz offensichtlich keineswegs. "Außer einem gestohlenen Geldbeutel ist uns nix passiert. Überfallen wurden wir nie", versichert Uwe: "Vor Honduras haben uns beispielsweise viele Leute gewarnt, man würde dort für fünf Dollar ermordet. Tatsächlich machte man uns Geschenke, die weitaus teurer waren." Wildfremde Menschen, die das Paar in Argentinien mit rührender Gastfreundschaft empfangen, Taxifahrer, die gratis vorausfahren und den Weg weisen: "Und Australier sind ohnehin die nettesten Menschen, die es gibt. Die hielten immer an, wenn sie uns sahen, fragten, ob alles okay sei, reichten uns Wasserflaschen."

Dann haben sie ihren Entschluss zu der Tour noch keine Sekunde bereut? "Fast keine", räumt Evelyn ein. Denn trotz aller akribischer Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen wie niemals nachts unterwegs sein und immer lange vor Einbruch der Dunkelheit das Lager aufschlagen, kam das Paar auch einmal an seine Grenzen: "Mitten in der kasachischen Steppe hatte Evelyn einen Kollaps. Sie ist fast vom Rad gefallen." Selbst im Schatten des Zeltes kletterte die Quecksilbersäule noch auf 37 Grad: "Und wir hatten nur noch neun Liter Wasser. Da ging mir so manches durch den Kopf. Ich hatte einfach Angst um meine Reisegefährtin, meine Geliebte, Todesangst." Und wieder mal waren es Fremde, ihre Hilfsbereitschaft, die das Paar rettete: "Zwei Lastwagenfahrer, die zufällig auf der abgelegenen Piste unterwegs waren, haben ohne zu zögern die Räder aufgeladen und uns mitgenommen." Evelyn lacht: "Ja, das Glück ist wohl mit uns."

Jetzt genießen die Zwei erst mal das Glück eines vollen Kühlschranks, Wurst und Laugenweck vom Lieblingsbäcker: "Und vor allem unser Enkelkind Hannah. Sie ist im Dezember zur Welt gekommen." Ein Geschenk für die Familie

Und was sind die kostbarsten Schätze, die Evelyn und Uwe in ihren Satteltaschen in die Kurpfalz mitgebracht haben? Evelyns Antwort kommt prompt: "Die Erkenntnis, dass die Welt voller netter Menschen ist." "Ja, überall. Und Gelassenheit", fügt Uwe an. Für einen Moment nehmen Evelyns ansonsten immer so strahlend blauen Augen einen nachdenklichen Ausdruck an: "Und Dankbarkeit dafür, dass wir in so einem reichen Land leben dürfen."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 29.03.2014

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